Darf ich vorstellen…

Als erstes stelle ich uns mal vor- ihr zukünftigen Leser sollt ja auch wissen, um wen es hier geht, nicht wahr?

Da haben wir, ganz egoistisch, zuerst einmal MICH. Ist ja nicht dumm, mit mir anzufangen, ich schreibe Euch ja schließlich auch, durch meine Augen seht ihr den Rest der Bande!

Ich bin irgendwie so in den dreißigern, verheiratet mit dem Herrn Gatten, irgendwo in den vierzigern, zusammen haben wir 3 Kinder. Kind 1, fast 10 Jahre alt, männlich; Kind 2, 7 Jahre alt, weiblich; Kind 3, 4 Jahre alt, männlich.

Wir haben auch Nachbarn, die wir mögen. Eine der Nachbarsfamilien hat 2 Kinder, bei beiden wurde Aspergersyndrom diagnostiziert. Ich passe seit einiger Zeit immer mal wieder auf eines oder beide der Nachbarskinder auf, und habe dadurch sehr viel über Autismusspektrumsstörung gelernt.

Ich habe es immer sehr gut geschafft, herauszufinden, wann etwas für die Kinder zu viel ist, wenn sie überreizt sind, wann es an der Zeit ist, sie aus einer Situation herauszuholen. Denn, so dachte ich mir, wenn ich völlig normale Person schon so viele Probleme mit diesem und jenem Reiz habe, wie mag es dann erst für Autisten sein?

Je mehr ich mit meiner Nachbarin dann über unsere Kinder gesprochen habe, um so mehr Parallelen haben wir zwischen ihrem Sohn und Kind 1 festgestellt… und weil ich schon vorher immer so viele Parallelen zu Kind1 und mir festgestellt habe, schlich sich bei mir irgendwann der Verdacht ein, dass er- und ich- ebenfalls eine Autismusspektrumsstörung haben könnten.

Ich habe lange darüber nachgedacht, habe mit der Nachbarin darüber gesprochen, dann habe ich schließlich die Lehrerin von Kind1 angesprochen. Sie hat mich dann ermutigt, es abklären zulassen.

Als mein Plan feststand, setzte ich erst den Herrn Gatten davon in Kenntnis. Er war sehr skeptisch (das wusste ich schon vorher, nach einer kurzen Anmerkung nebenbei mal, deswegen habe ich so lange nichts gesagt), sah aber durchaus ein, dass es mal abgecheckt werden  könnte, um dem Sohn eben nichts zu verbauen. Schließlich soll es im Sommer auf die weiterführende Schule gehen, und da er in der Schule zwar nicht schlecht ist, aber einige Probleme hat (die so ziemlich alle durch eine Autismusspektrumsstörung erklärt werden könnten…) wollten wir im Zweifelsfall eben jede Hilfe für ihn bekommen, die er kriegen kann.

So haben wir für ihn eine Autismusdiagnose begonnen- wir hatten das Vorgespräch vor kurzem, es folgt noch eine Woche Klinikaufenthalt mit der ganzen Familie, zur genaueren Diagnose. Danach werden wir das Ergebnis in der Hand haben- hat mein Bauchgefühl recht oder spinne ich bloß?

Es ist im Moment eine wirklich aufregende Zeit, positiv, wie auch negativ.

Ich schwanke noch sehr oft, und würde das ganze am liebsten ungeschehen machen. Was tu ich meinem Sohn da an? Ist es das richtige? Denn so eine Diagnose stigmatisiert. Dann ist er das Kind, das irgendwie so ne geistige Behinderung hat, von der man eigentlich gar nicht so viel weiß. Autismus, das ist wie dieser komische Kerl aus dem Fernsehen, der nichts alleine konnte, dafür aber großartig mit Zahlen umgehen konnte, Rainman. Will ich mit so nem komischen Kind spielen?

Andererseits: Ein „komisches Kind“ ist er ja jetzt schon. Er ist ein sehr eigener Charakter, der sowieso gerne mal aneckt. Jetzt hat er eine Klasse, die ihn so nimmt wie er ist, er wird zwar mal gezankt, aber das ist eben so bei Kindern, jeder ist mal dran. Die neue Schule kennt ihn noch nicht, und wenn er einfach nur ein komisches Kind ist, das könnte zu Hänseleien führen. Mobbing, bullying, wie auch immer die Worte dafür sind. Mit einer (wie ich denke wahrscheinlich positiv ausfallenden) Autismusdiagnose kann er sich vielleicht schützen, sich helfen lassen.

Ich bin so gespannt auf die Diagnosewoche. Ich habe Angst, ich denke oft daran, ich will es ungeschehen machen, ich freue mich darauf. Ich will, dass es bald soweit ist. Ich will Klarheit!

…und wenn wir dann da angekommen sind, dann kann ich mich um meinen mir selbst diagnostizierten Autismus kümmern.

Und dann… vielleicht… lasse ich den Gedanken zu, dass auch Kind 2 eventuell eine Autismusspektrumsstörung hat. Mein Mäuschen ähnelt mir ebenfalls in diesen Dingen viel zu sehr…

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Darf ich vorstellen…

2 Gedanken zu “Darf ich vorstellen…

  1. Herzlich willkommen in der Bloggerwelt. Schön daß du es durchgezogen hast und gleich soviel berichtest. Es scheint ihr seid auf einem guten Weg alleman. Egal was dabei auch rauskommt, komischer Kauz bleibt komischer Kauz und das ist doch auch echt liebenswert. Aspergerdiagnose kann auch eine Chance sein, Dinge besser zu verstehen und vielleicht auch schlauer anzugehen. Aber ich verstehe deine Bedenken ob des Stigmas absolut, die hatte ich am Anfang auch massiv.

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    1. Dankeschön =)

      Ja, ich merke, dass das alles echt raus muss, ich trage das schon so lange nur mit mir herum… Hätte ich im Moment mehr Zeit, hätte ich auch schon viel mehr geschrieben…;-)
      Aber so bleibt auch noch was für später übrig ^^

      Eine Diagnose sehe ich mittlerweile auch als sehr gute Chance, allerdings hat unsere kurze und noch nicht bestätigte Autismusgeschichte schon negative Dinge gebracht- die Schulleiterin des Gymnasiums hat sich ziemlich daneben benommen. Wollte heute abend noch genauer darauf eingehen und einen Beitrag schreiben… Stigma ist einfach da, und die Leute wissen auch nur das, was sie glauben wollen…

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