Einen Schritt weiter

Gestern bekam ich eine Email vom AutismusTherapieZentrum (ATZ), dass ich, wenn ich es schaffen würde, für heute einen Beratungstermin bei denen haben könnte.

Ich hatte die Anfang Mai nämlich mal angeschrieben, weil ich nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte.

Ich bin mir jetzt seit einiger Zeit ziemlich Sicher, dass ich eine Autismusspektrumsstörung habe, habe mir das aber selber zusammenklamüsert. Das Internet durchforstet, Literatur gelesen, und verglichen, nachgedacht. Für mich war es eine riesige Erleichterung, plötzlich für ganz viel eine logische Erklärung zu haben, alles passte plötzlich.

Der Herr Gatte war aber skeptisch, das merkte ich, und damit wurde ich auch unsicher. Denke ich mir das alles wirklich nur aus? Drehe ich mir etwas zurecht, damit ich mich besser fühle?

Ich habe über ein Diagnoseverfahren nachgedacht, war mir aber nie sicher, ob das für mich überhaupt sinnvoll ist. Die schwierige Phase in der Schule ist vorbei, ich bin mitten im Leben, habe eine tolle Familie, wunderbare Freunde- brauche ich eine Diagnose wirklich?

Bei Kind1 ist das was anderes, seine schwierigste Phase steht im noch bevor, er soll nicht das durchmachen was ich erlebt habe, er soll vorher Hilfe haben.

Ich war also wirklich hin und her gerissen und habe nach einem Ort gesucht, wo ich Hilfe finden kann. (Kind 1 geht nämlich dahin, wo es speziell auf Kinder ausgerichtet ist, und da bin ich einfach dann doch schon zu alt für 😉 )

Das Internet gab mir also die Seite des ATZ, ich schreib eine Mail mit meinem Anliegen, und bekam prompt Antwort. Und zwar, dass man das so pauschal nicht sagen könne ^^ Aber man bot mir einen Termin zu einem Beratungsgespräch an, und ich wurde direkt an die richtige Stelle weitergeleitet.

Die Email aus dem ATZ wurde dann aber direkt an meinen Spamordner weitergeleitet, und ich fand sie erst am Sonntag. Uppsi….

Gestern kam dann die Email, dass ich den Termin heute durchaus noch haben könnte, obwohl ich bisher nicht zugesagt hatte, und spontan schmiss ich alle anderen Pläne um, engagierte die Oma als Babysitterin, und düste los.

Direkt vorweg: Das Gespräch war wunderbar, ich habe mich sehr gut aufgehoben und ernstgenommen gefühlt, ich konnte mir alles von der Seele reden. Das erste Mal mit jemandem, der nicht nur Laie in dem Thema ist, sondern seit vielen Jahren Fachfrau. Außerdem war sie wirklich sehr freundlich und toll, es war ganz einfach mit ihr zu reden.

Sie fragte mich ganz gezielt nach den Schwierigkeiten, die ich in verschiedenen Bereichen habe, wo ich die Beeinträchtigungen sehe, und ich erzählte.

Ich berichtete auch von Kind1, von unserer Situation.

Es war aber ein sehr lockeres Gespräch, ich weiß jetzt zum Beispiel, dass die Frau Star Trek Fan ist 😉

Jedenfalls, so als Fazit der ganzen Sache, ob eine Diagnose für sinnvoll ist oder nicht hat sie ganz klar gesagt: Das muss ich selber wissen 😉

Aber sie hat mir ganz viele Ratschläge, Hinweise und Denkanstöße gegeben, was mir sehr geholfen hat.

Und sie hat mir auch noch gesagt: Wenn ich mich entscheiden würde, eine Diagnose zu machen, würde ich mit ziemlicher Sicherheit die Diagnose Autismus bekommen, das könnte sie Anhand des Gespräches schon erkennen. Allerdings, das hat sie mehrmals gelobt, hätte ich mir selber sehr viele Dinge beigebracht, so dass einem Nicht-Fachmann gar nicht unbedingt auffallen würde, dass ich Autistin bin. (Man muss aber auch sagen, dass ich natürlich einen ausgesprochen guten Tag hatte … Ich kann auch anders 😉 )

Sie hat mir außerdem noch einiges an Literaturtipps gegeben, speziell zum Thema Frauen mit Autismus, die…. WIR…ticken ja anders als Männer mit Autismus.

Zu Selbsthilfegruppen riet sie mir, nicht nur für mich, auch in der Position als Mutter eines (vermutlich, is ja noch nix diagnostiziert…) autistischen Kindes.

Als ich sagte, dass ich mir mit einem Blog quasi eine eigene Selbsthilfegruppe eröffnet habe, musste sie lachen, fand es aber super.

Für Kind1 gab sie mir ein paar Tipps mit auf den Weg, die ich mit ihm besprechen werde.

Sie sagte mir, dass ich keine Hektik aufkommen lassen muss mit der Entscheidung, die Diagnose machen zu lassen oder nicht. Es hängt ja im Moment nichts daran. Ich solle mir ganz viel Zeit lassen, alles gut besprechen und überdenken.

Alles in Allem bin ich mit einem unglaublich tollen Gefühl da raus gegangen. Ich habe eine gute Basis zum weitermachen- und ganz wichtig: Eine Expertin hat mir klipp und klar gesagt, dass ich nicht spinne und mir das alles nicht nur einbilde. Das ist für mich das Allerbeste an der Sache. Das ist wie die Erlaubnis, es laut auszusprechen, es als Tatsache zu sehen.

Ich kann jetzt tatsächlich mit Ruhe an die Entscheidung gehen, inwiefern eine echte Diagnose für mich wichtig ist- oder auch nicht.

Aber erst mal ist Kind1 dran!

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