Sortieren

Wenn man mit 2/3 der Kinder in die Stadt muss, um viele wichtige Dinge einzukaufen, dann ist es immer gut, wenn das autistischere Kind ausgeglichen ist, sonst geht es in die Hose.

Oder aber, man geht vor dem wirklichen Programm noch mal eben mit den unausgeglichenen Kindern in einen Drogeriemarkt, an den Nagellack-Grabbeltisch.

Kind1 fing sofort an, den Nagellack nach Farben zu sortieren, und wenn ich nicht schon mit meinem Einkauf fertig gewesen wäre, dann hätte er nicht nur grob nach Farbtönen sortiert, sondern nach exakter Farbe 😉

Der Vorteil: Kind1 war hinterher extrem entspannt, hat den gesamten Einkauf gut überstanden und war sogar nach dem Einkauf noch gut drauf.

Und Kind2 staunte über die vielen tollen Nagellacke, die sie jetzt deutlicher erkennen konnte, und war glücklich über den tollen neuen rosafarbenen Lack, der jetzt ihrer ist, und den sie ohne Kind1 nicht gefunden hätte.

Und alles war gut!

Muss man ja auch mal sagen 😉

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Sortieren

Heute so

Sommerferien sind schlecht für mich.

Den ganzen Tag ist jemand um mich, meine Routinen werden durcheinander geschmissen, ich kriege mich nicht mehr organisiert.

Bisher habe ich es einfach darauf geschoben, dass einfach immer so viel los war, dass ich nicht dazu kam, etwas zu tun. Das war die letzten Tage aber eigentlich nicht so. Ich hätte mein Pensum erledigen können, habe es aber nicht geschafft. Es lag auch nicht an mangelndem Willen, denn ich wollte den ganzen Scheiß erledigen.

Ich habe es einfach nicht geschafft. Ich bin im Haus herumgelaufen wie ein aufgescheuchtes Huhn, mal hierhin, mal dahin, habe dies angefangen, dann wieder liegen gelassen. Immer mit dem Hintergedanken, dass sowieso gleich wieder ein Kind etwas von mir will, ich wieder springen muss. Hätte mich auch wirklich jedes Mal ein Kind angesprochen, ich hätte nicht weniger geschafft. Nur die Tatsache, dass ich in den Ferien nie mal alleine sein kann reicht schon, die Anspannung steigen zu lassen.

Ich bin gereizter als sonst, fahriger, empfindlicher, zittriger, angespannter.

Exakt das gleiche hatte ich letztes Jahr. Da hatte ich in den Ferien etwas, das ich jetzt im Nachhinein als einen Shutdown erkenne.

Während Overloads und Meltdowns (beide ebenfalls oben im Link erklärt) bei mir nicht selten sind, war der Shutdown ganz neu und erschreckend.

Ich konnte nichts mehr ertragen, hörte nur noch Rauschen in meinen Ohren, konnte Gesprächen nur noch mit Mühe folgen, sprechen war körperlich anstrengend, und jedes überraschende Geräusch hat mir Schmerzen im ganzen Körper verursacht. Obwohl ich kaum noch gehört habe wegen des Rauschens war Kinderlachen unerträglich, weil es so hell ist, und hat mich, wie jedes andere helle Geräusch auch, sofort in Tränen ausbrechen lassen. Ein Löffel, der beim Umrühren an die Tasse stupst? Heulen.

Ich hätte mich am liebsten in einer Ecke verkrochen und wäre nicht mehr herausgekommen, aber ich musste funktionieren…musste einfach… nur noch aushalten bis zum Ferienende, dann würde alles gut.

Ich weiß nicht wie, aber ich habe es ausgehalten. Irgendwann waren die Ferien zuende, die Kinder wieder in Schule und Kindergarten, und ich war ein Wrack. Noch 4 Wochen nach den Ferien krebste ich nur so vor mich hin, tat tagsüber gar nichts, oder nur das nötigste, und wusste nicht was mit mir los ist. Nur: Mutter kaputt, funktioniert nicht mehr richtig.

Und ich bin jetzt im Moment wieder auf dem Weg dahin.

Heute war ein Tag, an dem meine Tasse extrem voll war. Kurz vor platzen. Extrem angespannt. Und ausgerechnet heute hatten wir lieben Besuch.

Als der erste ankam hatte ich grade Ohrstöpsel in den Ohren und festgestellt, dass sprechen jetzt nicht klappt. Er fragte, wie es geht, und ich antwortete mit einem Brummen. Irgendwann konnte ich dann- mit abgewandtem Blick- kurz erklären: Tasse voll!

Das gute an lieben Freunden ist, dass sie dann sagen: „Ah, okay!“ und nicht beleidigt oder traurig sind, wenn ich nicht sprechen kann. Danke dafür!

Es ging weiter mit Familienbesuch. Die Familie weiß um die Besonderheiten von Kind1 und mir, und so hat niemand auch nur schräg geguckt, wenn ich zwischendrin mal eine Alleinpause im Schlafzimmer brauchte, und niemand hat mit der Wimper gezuckt, als ich das Abendessen nur mit Ohrstöpseln ertragen konnte.

All das war wirklich toll an einem nicht so tollen Tag.

Aber leider sind da immer noch die Grenzen, die ich mir selber mal gesetzt habe, die, die mich unauffällig machen. Ich würde nie in Gesellschaft anderer anfangen zu „flattern“, also die Hände wie Flügel zu bewegen (wobei ich leicht anders flattere), was ziemlich aspergertypisch ist (Lustige Geschichte dazu: Nachbarin erzählte, dass ihre Aspietochter so total aspietypisch mit den Händen flattert wenn sie aufgeregt ist, daraufhin sagte ich: „Naja, so ungewöhnlich ist das ja eigentlich nicht, das mach ich doch auch oft!“ …ich hätte es schon vor Jahren wissen können 😉 ). Stattdessen balle ich die Fäuste und stecke sie in die Hosentasche. Zum Spannungsabbau brauche ich aber das flattern und hin und her rennen oder springen, grade wenn ich so stark angespannt bin wie zum Beispiel heute. Ich hatte aber noch Abendessen vorzubereiten und konnte nicht flüchten. Also nutze ich jede Gelegenheit, wenn grade niemand hinsah, um mit den Händen zu flattern. Ich bin mir nicht so sicher, dass es nicht doch aufgefallen ist, und ich war auch kurz davor, allen mitzuteilen, dass ich jetzt mal ne Weile was total komisches machen muss- aber dann siegte mein antrainiertes Verhalten. Es war mir peinlich, so „öffentlich“ die Kontrolle zu verlieren, weil man „sowas“einfach nicht macht. Auch wenn alle echt verständnisvoll waren, sie sehen diesen Teil der Aspieseite normalerweise nicht so. Sogar vor dem Herrn Gatten zeige ich das nur sehr selten.

Und was lerne ich daraus?

Vermutlich wieder einmal nix, und mache weiter wie bisher.

Allerdings bin ich in meinem Entschluss, eine Diagnose machen zu lassen, einen deutlichen Schritt weiter. Vielleicht traue ich mich, mit einer offiziellen Diagnose in der Tasche, mehr ich selber zu sein? Es geht ja darum, mir selber helfen zu können, nicht kaputt zu gehen. Und anderen zu erklären, dass das zwar grade seltsam ist, aber ich bin halt seltsam. Und die Dinger, die ich sonst „heimlich“ mache, gehören irgendwie zu mir dazu…

Heute so

Asperger unter sich

Die Aspie-Nachbarskinder sind da. Kind1 spielt mit dem Jungen am Computer, Kind2 malt mit dem Mädchen.

Plötzlich, durch den Hauch eines Anlasses, explodiert Kind1 und bekommt einen Mega-Wutanfall. Wie man das halt so von ihm kennt- von null auf hundert in weniger als einer Sekunde. Schreiend und um sich schlagend rennt er hier herum, wütet.

Die Mädels am Tisch sehen sich nur kurz an (sie haben nichts mit dem Vorfall zu tun, ich war die „Böse“), das Nachbarsmädchen lächelt wissend, und sagt einfach nur: „Asperger.“

Upps. Für Kind1 ist jetzt genau das der Tropfen, der seine sowieso schon tropfende Tasse zum Überlaufen bringt… und er schreit lauter, läuft rot an, und rennt im Affenzahn zum Nachbarsmädchen, um sie gegen den Tisch zu schubsen.

Dann zieht er sich glücklicherweise in sein Zimmer zurück, sein Freund mit ihm. Dort kann er sich abreagieren, ungestört.

Das Mädchen ist etwas baff, aber hat sich nicht weh getan. Was bei ihr überwiegt ist Verständnis. Dass Kind1 nun mal nicht anders reagieren konnte, obwohl es die falsche Reaktion ist. Dass Kind1 einfach keine andere Möglichkeit sah, sich in dem Moment zu helfen. Sie erzählt mir, dass es ihr ganz oft genau so geht. Für sie war es jetzt fast richtig toll zu sehen, dass es auch anderen (Kindern) genau wie ihr geht.

Da hatte, so gesehen, der Wutanfall von Kind1, auch was richtig gutes.

Und der Wutanfall selber, der ist auch schon lange vorbei.

Asperger unter sich

Ich stelle fest

Ein vorher unentspanntes Kind1, das partout nicht mit zum schwimmen will, hat im sehr lauten, vollen Schwimmbad absolut keine Probleme und will eigentlich gar nicht weg. Außerdem ist er hinter trotz Müdigkeit weniger streitlustig als sonst…

Eine vorher entspannte Mutter, die sich auf Familienschwimmbadbesuch freut, hat schon nach kurzer Zeit im sehr lauten, vollen Schwimmbad die Nase voll und kann sich nur dadurch retten, dass sie die ihr aktuell zugeteilten Nichtschwimmerkinder betreut -entweder Kind1 alleine (ohne Schwimmhilfe), oder Kinder 2 und 3 zusammen (jedes Kind mit Schwimmhilfen), immer abwechselnd mit dem Herrn Gatten.

Ohne diese Aufgabe, auf die ich mich konzentrieren konnte, hätte ich das heute nicht ausgehalten.

Maaaaaann, dabei habe ich darauf gesetzt, dass nur wenig los ist, weil in Rheinland Pfalz noch keine Ferien sind…

Trotzdem wars schön, denn die Kinder hatten viel Spass, und das war auch Sinn der Aktion! Hinterher gab es dann noch Pommes und Chickennuggets und Hamburger im FAST LEEREN McDonalds, das war dann wieder nahezu erholsam. Die Kinder konnten in einer Art Spielzimmerturm spielen als sie mit Essen fertig waren, und Herr Gatte und ich konnten uns tatsächlich noch einen Kaffee genehmigen.

Auf der Rückfahrt hörten wir alle zusammen „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ weiter, zu Hause gab es dann noch ein Eis, und ab ins Bett ging es für Kind 2 und 3.

Kind1 strengte bei einem Gesellschaftsspiel mit dem Herrn Gatten seine Gehirnzellen an, bis auch er – viel zu spät, in der Falle lag.

Jetzt sind schon lange alle im Bett, und ich genieße seit ein paar Stunden Ruhe, ohne Menschen. Es ist natürlich auch für mich schon viel zu spät, aber nach dem ganzen Trubel heute- und auch die letzten Tage- tut mir das gut.

Trotzdem: Ferien bei Oma und Opa (mit weiterem Besuch von Tante und Cousine (also meinen)) sind schon schön!

Ich stelle fest

Nachts sind wir bei unsren Freunden

… und die fliegen schneller als der Wind *sing*

Bei dem, was ich hier schreiben will, kam mir sofort dieses Lied von Rolf Zuckowski in den Kopf, und ich befürchte, ich habe jetzt einen Ohrwurm. Tja, muss ich jetzt durch, wat?

Ich habe bei Frau Anders gelesen, wie sie die rotierenden Gedanken, die beim Einschlafen kommen, in den Griff bekommt, damit sie auch tatsächlich einschlafen kann. Ich schrieb und schrieb an einem Kommentar, und der wurde länger und länger, und da dachte ich mir, dass ich das eigentlich auch gleich als Blogeintrag nutzen kann.Und als Blogeintrag hab ich es jetzt doch noch etwas umformuliert… Ist jedenfalls schön irre, und ich glaube, ich habe noch überhaupt nie jemandem davon erzählt. Aber ich bin jetzt ja ein irres Huhn, da kann ich sowas auch einfach mal aufschreiben, wa?

Damit meine Gedanken nicht rotieren, bin ich abends im Bett immer schon, seit ich mich erinnern kann „woanders hingegangen“ im Kopf. Ich habe dann immer eine Freundin oder einen Freund, das ändert sich immer mal wieder, die/den besuche ich. Ich habe sogar eine extra Wohnung für diese Freunde (die habe ich irgendwann vor zwei oder drei Jahren mal bei den Sims nachgebaut, das war seltsam, sie „in echt“ und bewohnt zu sehen 😉 ). Mit den Freunden (die nie etwas mit realen Freunden zu tun haben) mache ich so spannende Dinge, die ich gerne mache, Schlittschuh laufen, nette und coole Leute treffen, oder einfach nur Eis essen, Serien gucken  und quatschen, Manchmal gehen wir auch auf Partys.
Niemand findet es seltsam da, wenn ich auf Partys nichts sage, weil alle wissen, dass ich das nicht mag, und meine Freunde übernehmen das Erklären, denn die wissen immer ganz genau, wie es mir grade geht ;-).

Ich bleibe oft tatsächlich monatelang bei meinen Freunden, bewege mich im ausgedachten Tagesverlauf aber nur einen oder zwei Tage weiter. Vieles wiederhole ich auch, manchmal komme ich nicht weiter und denke so lange daran herum, bis es passt- oder ich eingeschlafen bin.

In den letzten Jahren sind die Freunden eigentlich immer Charaktere aus meinen aktuellen Lieblingsserien oder auch mal Schauspieler geworden. Die haben dann alle schon eine Hintergrundstory, die ich entweder übernehme oder komplett ausblende und selber erfinde. Selber ausgedachtes ist mir immer am liebsten, weil grade wenn es Schauspieler sind, mit denen ich „befreundet“ bin, dann müsste ich mir ja passendes dazu aus den Fingern saugen zum Leben.Schauspieler sind mir daher immer nicht ganz so recht, das fühlt sich dann zu „real“ an.  Aber weil ich sowieso nie bewußt sage: „Der/die isses es jetzt!“ nehme ich halt, wer grade zu mir kommt. Und dann… ja, dann bleiben die Freunde bei mir. Die aktuelle Freundin ist auch schon ne ganze Weile da , etwa 10 Monate in wirklicher Zeit, aber ich befürchte, wir haben uns in den 2 Tagen …äh… unechter Zeit 😉   schon fast alles erzählt. Sie darf aber noch bleiben, bis jemand neues einziehen möchte, dann trennen wir uns in Freundschaft.

Früher hatte ich die „Wohnung“ noch gar nicht, fällt mir ein, da muste ich mit meinen Freunden immer irgendwie zu denen hin gehen. Da wurde es aber immer kompliziert, weil ich jedes Mal eine neue Umgebung ausdenken musste, und dann war ich wochenlang beschäftigt, mir alles auszumalen. Als das dann mit den Serienfreunden vor etwa 12 Jahren angefangen hat, war ich dann auch auf der Voyager oder auf Deep Space Nine. Aber Weltall ist mir zu gruselig um mich darin aufzuhalten, und eine eigene Wohnung, in der ich mich auskenne, ist eh viel enstpannter. Wie im wirklichen Leben halt auch, ne? 😉

Als ich noch klein war waren meine Freunde immer komplett ausgedacht, und auch mehr stumme Begleiter auf meinen Reisen. Ich war Reiseleiter, und somit vor allem Bestimmer. Meine Freunde fanden mich toll, denn ich konnte wirklich viel großartiges!

Hanni und Nanni und Jette und Nette und Tina und Tini und wie sie nicht alle heissen haben mir dann die Internate als Schauplatz näher gebracht. Mein Freund/meine Freundin (immer ja nur einer) und ich waren NIE glücklich im Internat, und wir haben immer alles gegeben, um das auch allen zu zeigen. Ganz im HanniNanni-Stil, Streiche und so. Leider war die Internatszeit sehr unglücklich, so dass ich mich manchmal in den Schlaf geweint habe, ganz in meiner Geschichte aufgegangen. Im „wirklichen Leben“ hat mich das aber nie irgendwie gestört, war ja alles nicht echt, bzw in meiner anderen Welt, in die ich sowieso nur abends reinkam.

Mit meinen Freunden kann ich tatsächlich alles machen, und früher habe ich auch viel ausprobiert. Fallschirmspringen, zum Beispiel. War aber echt lahm, deswegen habe ich das sein lassen 😉

Heutzutage tendiere ich mehr dazu, ich selber zu sein, vielleicht eine ganze Ecke witziger und eloquenter, aber alle um mich herum sind Verständnisvoll, wenn ich etwas nicht kann, wenn ich aufgeregt bin, wenn ich ich bin.

Ich plane nie vor, was passieren wird, alles passiert „spontan“. Manchmal bin ich so begeistert von etwas, dass ich am liebsten jemandem erzählen würde, wie cool das wieder mit dem Freund oder der Freundin war. Ich bin dann auch oft noch den ganzen folgenden Tag aufgeregt und kann es gar nicht abwarten, wieder schlafen zu gehen (auch wenn es dann doch wieder 0.30 wird 😉 ).

Aber, wie gesagt, bis jetzt habe ich noch niemandem davon erzählt. Höchstens mal als „Weißt Du,was ich geträumt habe“, aber auch das geht nur bei extrem wenigen Menschen. Weil es mir erstens irgendwie zu privat vorkommt, und außerdem vielleicht auch ein kleines bisschen seltsam 😉 Außerdem, das sind MEINE Erlebnisse. Fühlen sich so herrlich unecht-echt an. Also, ich weiß, dass es nicht echt ist, aber warum soll es sich dann nicht echt anfühlen? Serien guckt man ja auch, um mitten rein zu springen und mitzufiebern!

Jetzt fange ich an zu faseln und mich zu rechtfertigen. Guter Zeitpunkt um aufzuhören.

Und guter Zeitpunkt, um ins Bett zu gehen.

Denn da, also in meinem Kopf, wartet meine Freundin! Wir haben heute noch gute drei Stunde Autofahrt vor uns, weil wir noch ein paar Sachen von mir abholen müssen. Ich muss also noch ein bisschen Reiseproviant packen 😉

Herrlich unaufgeregt!

Nachts sind wir bei unsren Freunden

Wie befürchtet

Alle vier saßen bereits in der Eisdiele, als ich etwas später zur Tür hinein kam, Herr Gatte mit Kindern 1-3, und waren unterschiedlich weit durch ihre Eisportionen hindurchgefuttert. Kind1 war bereits fertig, während Kind2 feststellte, dass sie die falschen Sorten ausgewählt hatte und nur stochterte, Kind3 futterte noch mit Genuß.

Kind1 saß währenddessen stocksteif auf dem Stuhl, die Hände auf dem Sitz, und er grinste verlegen. Ich bemerkte schnell weshalb.

Neben uns am Tisch saß ein Klassenkamerad- oder sollen wir besser sagen ein ehemaliger Klassenkamerad- mit einem Freund, der uns nicht bekannt war. Beide unterhielten sich, und ich sah, dass Kind1 immer wieder in deren Richtung schaute. Man sah, dass er gerne etwas zu den beiden, oder wenigstens zu seinem Klassenkameraden, sagen würde, aber nicht wusste was oder wie, und das strengte ihn an. Plötzlich hörte er: Man sprach über eine bestimmte Eisportionsgröße namens Wundertüte. Prima, damit kannte er sich aus!

Er sprang von seinem Stuhl auf, stellte sich vor die Jungs. Die Arme hatte er links und rechts feste an den Körper gepresst, mit den Beinen trat er unruhig, der Oberkörper schaukelte seitwärts hin und her. Sein Blick ging über die Jungs hinweg, vielleicht zur Uhr an der Wand. Und dann begann er zu erzählen. Dass er schon mal eine Wundertüte hatte, dass sie echt groß sei, und dass das seine Lieblingseisgröße war. 3 Kugeln! Soviel darf er aber normalerweise gar nicht haben! Und Schoko, Sahne, Schokosoße UND Schokostreusel sind sein liebstes. Wundertüte, ja das ist eine tolle Sache! Er lächelte noch einmal in die ungefähre Richtung der Jungs, setzte sich wieder auf seinen Stuhl- also mit dem Rücken zu den Jungs- und krallte sich wieder am Sitz fest.

Ich merkte, dass ihn das Überwindung gekostet haben musste, aber hey, er hat es geschafft! Und sein Klassenkamerad kennt ihn ja, für ihn ist das nix neues.

Der andere Junge, der kannte Kind1 aber nicht.

Als Kind1 wieder saß, sah er nicht, was ich beobachten musste.

Der Junge beugte sich zu Kind1’s Klassenkameraden hinüber, flüsterte ihm etwas zu, und beide sahen in Richtung von Kind1. Der Junge flüsterte noch etwas, zeigte leicht auf Kind1, der Klassenkamerad verdrehte theatralisch die Augen, und beide lachten, den Blick immer noch auf Kind1 gewandt.

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Kind1 wird jetzt auf eine neue Schule kommen, und in seiner neuen Klasse kennt ihn noch niemand. Das kann gut sein, ein toller Neuanfang, aber das kann auch ziemlich in die Hose gehen. Wenn dort Kinder sind, die über das, was er sagt, und wie er es sagt, nur die Augen verdrehen und ihn auslachen, dann wird das nicht schön. Und auch, wenn alle wissen, dass er anders ist, und warum das so ist, wird es immer noch genug Deppen geben, die ihm das aufs Butterbrot schmieren werden.

Klar, die gibt es immer. Schön wäre es, wenn alle plötzlich immer lieb zueinander wären, logo. Aber weil das sowieso nicht passieren wird, habe ich ein wenig Bauchschmerzen beim Gedanken an den Schulwechsel. Tja, aber wat mut dat mut.

Und es ist vielleicht auch ein bisschen ein Segen, dass er es nicht unbedingt bemerkt, wenn man sich über ihn lustig macht?

Vielleicht wird es ja alles gar nicht so schlimm, und er beisst sich gut durch. Das wird sich alles zeigen.

Aber die Jungs in der Eisdiele haben mir wieder deutlich gemacht, dass es nicht einfach wird…

Wie befürchtet