Outing in der Schule

Kind1 hat sich entschieden, mit seiner Diagnose offen umzugehen, auch in der Schule. Er ist jetzt eben Autist. Deal with it!

Um das auch seinen Klassenkameraden klar zu machen haben wir eine Version der Tassen-und-Eimer-Geschichte überlegt. Das war schon ganz gut, aber es fehlte etwas.
Also bat ich meine Freundin OOVL, den Text mit Bildern zu versehen.

Und was soll ich sagen, es ist großartig geworden!

Wenn ihr die bebilderte Geschichte sehen wollt, dann klickt doch bitte mal HIER ENTLANG!

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Outing in der Schule

1. Schultag

Ferien vorbei, der Erst des Lebens beginnt wieder!

Während es bei Kind2 ja eigentlich nahtlos weiter geht in die 2. Klasse- gleicher Klassenraum, gleicher Klassenlehrer, nur ein paar neue Schüler mehr- ist für Kind1 alles anders!

Kind1 ist jetzt nämlich Gymnasiast, seit heute.
Ach Du Schande, wo ist nur die Zeit geblieben??
Er hat sich in den Ferien kaum Gedanken um Schule gemacht, aber man hat hin und wieder schon mal gemerkt, dass ihn die Veränderung gestresst hat. Er war oft gereizt und schnell wütend, was mir aber schon vorher klar war.

Heute Morgen, als es ernst wurde, fielen ihm die wichtigen Dinge ein, die er bisher nicht gefragt hat. Und das wichtigste war:
„Mama, das ist eine neue Schule, woher soll ich denn die Regeln kennen? Ich weiß doch gar nicht, wie es da läuft?“

Da konnte ich ihn beruhigen- einen Teil der Regeln hat er sogar in einer Mappe bekommen, und alles andere wird vermutlich nicht viel anders sein als an der Grundschule. Und außerdem würde man das an der Schule sicherlich besprechen!

„Ja, aber was, wenn ich die neuen Regeln vergesse und etwas falsch mache?“
Kind1, dann benutzt Du Deinen ordentlich vorhandenen Verstand und überlegst: Sollte man dieses oder jenes tun? Oder lässt man es lieber? Und wenn man es gar nicht weiß, dann fragst Du eben nochmal nach. DU SCHAFFST DAS!!

Nach einer Weile war er überzeugt, dass die neuen Regeln höchstwahrscheinlich schaffbar sein werden, blieb nur noch die Angst, sich im Gebäude zu verlaufen. Oh, und sich die Namen der Mitschüler NIE merken zu können.
Nach viel gutem Zureden und erklären (wobei er mittendrin schon irgendwann meinte- JAAA, ich habs jetzt verstanden!!!) war er auch entspannt genug, dass wir losfahren konnten.

Die anderen Kinder auf dem Schulhof waren genau so aufgeregt wie Kind1, wollten genau so wenig fotografiert werden, wollten einfach nur in ihre Klasse geführt werden, damit die Spannung ENDLICH nachlässt. Kind1 war gereizt und wollte nicht reden, drehte sich von mir und anderen weg.

Dann kam die Lehrerin und ich zeigte dem Sohn, wie sie aussah. Sie hatte eine andere Haarfarbe, beinahe hätten wir sie nicht erkannt. Aber als er wusste nach wem er gucken musste wurde es besser. Es klingelte (Er kicherte: „Mama, die Klingel hört sich an wie ein Wecker, der etwas schwächlich ist!“), die Lehrer riefen ihre Klassen, und alle gingen zusammen hinein. Kind1 sagte kaum hörbar noch schnell tschüss, und weg war er.

Beim Abholen fand ich einen breit grinsenden Jungen vor, und auf die Frage, wie es denn gewesen sei, kam die Antwort auf die bekannte ausführliche Art des Sohnes: „SUUUUUUPER!!!“

Er hat sogar Jungs gefunden, die die gleichen Interessen teilen (Was bei seinen Spezialinteressen zum Glück nicht so schwer ist- gut, dass er sich nicht Meteorologie oder Batterien als Thema ausgesucht hat!!!), und bei denen denkt er, dass er mit ihnen zurecht kommen wird.

Die Lehrerin scheint nett zu sein, sagt er (das deckt sich mit meinem Eindruck, aber Schüler und Eltern sehen das ja oft auch gerne anders 😉 ), die Klasse mache einen guten ersten Eindruck.

Alles wird gut.

1. Schultag

Nachbarinnen-Nachricht

Meine Nachbarin schrieb mir heute eine WhatsApp-Nachricht.

Der Inhalt: Schattenspringer Teil 2, Seite 111 bis 120. LIES und lerne!!!

Naja, möglicherweise war die Wortwahl ein wenig anders, aber Botschaft war klar…Inhalt dieser Seiten ist es, dass es nichts bringt, so zu tun als sei mal „normal“. Es macht einen nur kaputt, wenn man seine Schwierigkeiten herunterspielt oder versucht zu verdrängen.

Ich versuche es ja… ich will mich bessern. Ich schaff das noch! Aber jahrelange Konditionierung macht das ganz schön schwierig…

Und danke, liebe Nachbarin ❤

Nachbarinnen-Nachricht

Alles muss raus

Das hier wird jetzt mal therapeutisches bloggen, mal sehen ob es funktioniert oder nicht. Vermutlich wird es nicht sehr strukturiert, und ich nehme an, es gibt massenhaft Rechtschreibfehler. Wer einen findet, darf ihn behalten, ich bin da großzügig.

Der letzte Text, den ich hier geschrieben hab, der war ja so jammerig. Mir ging es nicht gut, ich habe es gemerkt, ich habe versucht etws zu ändern. Sommerferien sind einfach doof, aber man kann versuchen, das Beste daraus zu machen. Und wenn ich ja schon weiß was ich tun kann, dann muss ich alles dransetzen, dass es nicht schlimmer wird.

Ich hatte ja Bedenken, wieder in einen Shutdown zu kommen, so wie letztes Jahr. Ich war auch wirklich kurz davor.

Dann kam meine Mutter ein paar Tage, und half mir, wenigstens im Haus wieder Ordnung zu schaffen.

Das war ein großer Aufschwung für mich- ich hatte im aufgeräumten Haus wieder mehr Energie, ich habe einige wichtige Dinge, die liegengeblieben sind, erledigen können. Ich war sehr stolz auf mich, und mir ging es gut.

Ich habe es dann sogar geschafft, die anstehende Geburtstagsparty für Kind1 zu organisieren- mir macht so etwas sehr viel Spass, und ich bastelte vor mich hin. Ich habe es währenddessen sogar geschafft, das Haus in Ordnung zu halten. Ich hatte einfach wieder alles im Griff. Ich fühlte mich großartig!

Dann kam die Party, und obwohl es mir sehr viel Spass gemacht hat, und die Bande auch eigentlich gut händelbar war, hat es mich total aus den Latschen gehauen.

Gestern ging es zuerst noch, ich war etwas müde, aber es war ja auch ne Übernachtungsparty.

Die Müdigkeit ging aber tiefer, und ich merkte, wie ich immer fahriger wurde, unruhiger. Die Kinder waren schlecht drauf (klar, Schlafmangel), das gab mir den Rest.

Heute merke ich also: Ich habe mich mit dieser blöden, tollen Party wieder mitten in einen Shutdown katapultiert. Morgens ging es noch, aber im Laufe des Tages musste ich Ohrenstöpsel tragen, wie eine Irre mit den Händen flattern, im Haus auf und ab laufen, und manchmal war der Druck im Inneren so groß, dass ich automatisch versucht habe, ihn wegzuschlagen. Mit der Hand auf die Brust oder gegen den Oberschenkel, immer wieder. Oder ich versuche ihn abzuschütteln, indem ich den Kopf schüttele. Nein, nein, nein…. Ich habe versucht, die schlimmsten Anfälle wieder heimlich zu machen, habe mich oft zurückgezogen. Manchmal ging das aber nicht.

Ich würde das gerne erklären, wenn ich wieder soweit bin, aber sprechen geht dann nicht. Mir fallen keine Worte ein, die einfachsten sind dann die, die ich einfach nicht rauskriege. Außerdem kostet es unglaublich viel Kraft zu sprechen und zu erklären, so dass ich einfach gar nichts mehr sagen will. Eigentlich will ich nur alleine sein, in einem schalldichten Raum oder so.

Heute mussten wir allerdings noch zu meiner Schwiegermutter. Bestandsaufnahme im Haus machen, weil sie umzieht und nicht alles mitnimmt. Meine Aufgabe war Fotos machen, Möben ausmessen, Maße aufschreiben. Aber daran war nicht zu denken. Meine Hände wollten flattern, wenn ich schreiben wollte, der Kopf wollte nein-nein-nein sagen, wenn ich auf den Zollstock gucken wollte, und sowieso, das, was ich gesehen habe war nicht immer das, was auch da stand. Währenddessen sensibel sein- Schwiegermutter fällt es sehr schwer, ihr geliebtes Haus zu verlassen und nur einen Bruchteil ihrer Habe mitzunehmen. Ich musste also aufpassen, freundlich und verständnisvoll zu sein. Dann, ebenfalls währenddessen: Quietschende Kinder, die zwar nur spielen, aber ich vertrage keine hohen Geräusche.

Ich habe nach 3 Möbelstücken aufgegeben.

Der Herr Gatte hat mir offensichtlich angesehen, dass ich am Ende war, ich sagte bloß, dass ich das jetzt nicht kann, und er nickte nur. Versuchte nicht mich zu drängen- komm, das muss doch fertig werden, mach mal!

Zu Hause setzte ich mich an den Laptop, um der neuen Lehrerin von Kind1 eine eMail zu schreiben- oh, das wollte ich ja auch noch schreiben, ich glaube, die Lehrerin von Kind1 ist großartig, und er ist da gut aufgehoben!! Ich habe mit ihr telefoniert, und bin jetzt beruhigt.

Jedenfalls, als ich die Mail schreiben wollte war plötzlich die ganze Familie um mich herum. Ich bekam einen kleinen Ausraster, Herr Gatte schmiss daraufhin alle raus, und ich durfte in Ruhe weiter machen.

Ich habe mich auch zusammengerissen und später Wäsche aufgehängt und Abendessen gemacht, aber ich habe es nicht geschafft, zusammen mit der Familie zu essen. Aber ich durfte abhauen, ins Schlafzimmer, mit dem Laptop. Und so sitze ich jetzt hier und will in Worte fassen, was ich nicht aussprechen kann. Will in die Welt schreien- schriftlich- , dass mir grade alles zu viel ist.

Als es neulich so schlimm war, hatte ich den ganzen Tag den Drang, herumzulaufen, zu flattern, den Druck wegzuschlagen, aber ich habe mich zurückgehalten. Ich hab es einfach nicht gemacht, un dgehofft, dass es schon weggeht, wenn ich entspanne. Abends bin ich mit einer starken Anspannung ins Bett gegangen. Am liebsten wäre ich abends hin und her gerannt und hätte mit den Händen geflattert, aber ich habe es mir wieder mal verboten. (Warum mach ich das immer noch??)  Wie gesagt, ich habe gehofft, dass der Druck auch so weggeht. Dann bin ich ins Bett gefallen, hundemüde, und sofort eingeschlafen, trotz Druck. Um 2 Uhr Nachts bin ich aufgewacht, und der Druck war noch da. Ich konnte nicht weiterschlafen, also bin ich irgendwann aufgestanden. Und weil grade niemand sonst wach war und mir zugucken konnte, bin ich hin und her gelaufen und habe mit den Händen geflattert. Und das tat so gut. Der Druck ging langsam weg, also lief ich, und lief ich. Hin und her, vom Wohnzimmer in die Küche, manchmal bis ins Bad, immer hin und her, und flattern, Hände gegen die Beine schlagen, flattern, gehen. Nach 45 Minuten, die mir ganz kurz vorkamen, war ich ganz entspannt. Ich trank noch eine warme Milch, und als im Bett lag schlief ich in wenigen Augenblicken ein. Und morgens war ich etwas müde wegen des Schlafmangels, aber entspannter.

Ich lerne ja offensichtlich nur langsam, aber aktionen wie die zeigen mir, dass ich einfach im Alltag autistischer sein muss als ich es allen zeige, um „beisammen“ zu bleiben. Also, ich muss e smehr rauslassen.Lernen, dass ich das nun mal bin.

Und mir weniger zumuten. Mann, die Geburtstagsparty hat mir SOWAS von den Rest gegeben. Ich glaube ich bräuchte jetzt mal Höhle zum Zurückziehen. Also, eine mit Internetanschluss und Strom, natürlich, und Bettchen und Badewanne und vollem Kühlschrank .

Und jemand sollte bitte mal dieses extrem laute rauschen in meinem Kopf ausschalten.

Und mich sortieren. Ich bin ganz durcheinander.

(Und sende das jetzt ab, ohne korrekturzulesen.)

Alles muss raus