Piiiiiiep

Es gibt Leute, die könnte ich quasi immer um mich herum haben. Die stören nicht, sind nicht anstrengend, sind einfach super.

Heute hatte ich allerdings Besuch von der Sorte „Sehr nett und sympathisch, aber anstrengend“.

Ich hatte sowieso schon einen Tasse-voll-Tag (weiß gar nicht warum, heute ging einfach nur so ohne ersichtlichen Grund mal so gar nix). Aber ich hatte Kind3 versprochen, dass sein Kindergartenfreund zu Besuch kommen darf. Der Kindergartenfreund ist umgezogen, und geht nun auch in einen anderen Kindergarten, und die beiden sehen sich eigentlich nicht mehr. Aber sie vermissen sich, und weil der Samstag der einzige Tag in der Woche ist, an dem er und wir gemeinsam Zeit haben, ist also ausschließlich Samstag der Trefftag.
Das wollte ich Kind3 nicht nehmen.

Der Freund mag aber nicht gerne ohne Begleitung zum Spielen kommen, und so saß ich mit seiner Mutter zusammen und wir unterhielten uns.

Und meine volle Tasse wurde immer voller, denn die Lautstärke meiner Gesprächspartnerin wurde immer größer. Außerdem kann sie, wenn sie loslegt, im Nonstopmodus reden. Ich merkte schon, wie es mich anstrengte und ich immer fahriger wurde.

Irgendwann merkte ich, dass bei mir sozusagen ein Schalter umgelegt wurde, und ich endgültig nicht mehr konnte. Meine Augen fingen schlagartig an zu tränen, meine Ohren, die die letzten Tage eh schon immer rauschen und piepsen, machten einen Höllenlärm, und ich konnte nicht mehr sitzen. Zum Glück war schon fast Abendessenzeit, so dass ich mich auf Brote schmieren konzentrieren konnte. Das war dann auch das Signal für das Ende der Spielzeit. Als die Brote geschmiert waren räumte ich mit den kleinen Jungs die Naturkatastrophe, die sich im Kinderzimmer ereignet hat (aka spielen) wieder auf, der Freund fuhr mit seiner Mama nach Hause, ich setzte die Kinder an den Abendbrottisch- und flüchtete ins Schlafzimmer.

Ruhe!

Zumindest fast.

Mittlerweile habe ich schon wieder so dermaßen lautes Rauschen und Piepsen in den Ohren, dass genau genommen nie Ruhe habe.

Jetzt sitze ich hier und überlege, wie ich diesen extremen overload heute hätte verhindern können. Ich mag die Mutter von Kind3’s Freund sehr. Sie ist unkompliziert und wirklich nett, aber eben laut, und das so ziemlich ständig.

Ich habe ihr vom Aspergersyndrom erzählt, habe es ihr erklärt, sie war sehr interessiert und wollte genauer bescheid wissen. Nach einer Weile, als das sozusagen geklärt war, ging es weiter wie immer, unkompliziert, nett, witzig, aber laut.
Trotzdem habe ich es nicht übers Herz gebracht ihr zu sagen, dass mich die Gespräche sehr anstrengen, ja sogar stressen. Ich kann sie nicht so gut einschätzen- einerseits ist sie immer locker und unkompliziert und man kann ihr sagen wenn einem etwas nicht passt, aber ich muss ihr ja quasi sagen: Du, ich mag Dich, aber ich ertrage Dich nicht lange! Ist das etwas, das man guten Gewissens jemandem sagen kann, den man nicht so gut kennt? Wir sind ja jetzt keine Busenfreundinnen…

Ach. Manno. Ich weiß doch auch nicht.

Kind3 und sein Freund waren jedenfalls sehr glücklich, heute miteinander spielen zu dürfen. Die beiden haben sich wirklich vermisst und wollten sich abends auch kaum voneinander trennen.
Bald werden die zwei nochmal miteinander spielen.

Und vielleicht habe ich ja dann einen besseren Tag, so dass ich nicht über nette Mit-Mütter meckern muss?
Ich will doch gar nicht jammern…

Advertisements
Piiiiiiep

3 Gedanken zu “Piiiiiiep

  1. Die Nachbarin😉 schreibt:

    Zunächst einmal jammerst Du nicht, sondern äußerst Befindlichkeiten. Dennoch glaube ich eher nicht, dass es gut ist der Mutter des Freundes von Kind3 auf die Füße zu treten (haha, ich weiß, Asperger lieben Redewendungen😅) Es kann vielleicht schon ziemlich verletzen, wenn man so etwas gesagt bekommt. Vielleicht kannst Du eher die Umstände anpassen, also darauf achten, ob es an dem Tag für Dich geht, sonst lieber verschieben oder den Zeitrahmen der Spielzeit und somit auch der Quatschzeit, verkürzen. Eventuell kannst Du auch den Rahmen so anpassen, dass Ihr nicht die ganze Zeit quatschen müsst, z.B. gemeinsam Backen oder so. Liebe Grüße von Nebenan😘.

    Gefällt mir

    1. Danke für die Absolution, dass ich nicht jammere 😉
      Ich glaube Du hast recht, dass es verletzen könnte, grade weil sie zwar auf tough macht, aber sich eigentlich ziemlich viel zu Herzen nimmt…
      Umstände anpassen ist leider sehr schwierig- es ist eigentlich nur Samstags möglich, sich zu treffen, weil wir zu viele Termine haben, die kollidieren. Und es geht ja auch nicht jeden Samstag, man muss also den Termin nehmen, wie er kommt. Absagen bedeutet oft wochenlanges Verschieben, und ich weiß ja dann noch nicht, ob es mir gut geht oder nicht.
      Ich kann höchstens den Zeitrahmen abstecken, so dass es keine open end Veranstaltung wird, und muss dann da durch 😉
      Etwas tun währenddessen ist bestimmt auch eine gute Idee. Allerdings ist es sowieso nicht unbedingt so, dass „wir“ quatschen, sondern SIE erzählt 😉 Ohne Punkt und Komma…Und das kann sie auch während sie etwas anderes tut. Haben wir schon getestet (sie hat mir beim Wäschefalten geholfen, die Gute, und hinterher klingelten meine Ohren. War aber ein anderes Mal…)
      Aber wenn man etwas tut, dann kann man zwischendrin sicher mal eben …äh… wegrennen und etwas „holen“, zumindest eher, als wenn man am Küchentisch sitzt und redet.
      Naja. Vielleicht ist es ja auch besser, wenn ich besser drauf bin. Ich muss das noch mal beobachten, beim nächsten Mal…
      Ich winke zurück, durch die Mauern und eine Etage höher 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s