kleiderbörsen (Verb)

Wieder nur Gedankenbrei, weiß noch nicht genau, worauf ich hinaus will. Ich lasse mich mal von mir überraschen 😉

Ich bin beim Kleiderbörse einräumen schnell vom Status „neu und kann nix“ auf „Experte“ hochgelevelt.

Freitags war ich die Neue, der man alles zeigen musste, und Montags war ich der absolute mega Vollprofi, die andere Ein- und Zurechtweisen musste. So schnell kann das gehen, und seitdem Nickele ich natürlich mit und sage allen, dass wir das aber SO machen und nicht anders, schließlich bin ich doch voll gut, ey!!

… nein, natürlich nicht.

Wo der erste Tag noch sehr anstregend war, sozial (Das Rumgenickele! – war nämlich nur am ersten Tag, irgendwie war wohl Laus-über-die-Leber-Tag) und überhaupt wegen der vielen Reize (ich sage nur flackerndes Neonlicht und brummende Lampen… )und weil so viele Helfer dabei waren, konnte ich am zweiten Tag in Ruhe herumwuseln, weil ich neben Chefin und Chef erst mal die einzige Helferin war. Später kamen dann noch ein paar dazu.

Aber sobald ich wusste wie alles lief und meine Sondierungsphase vorbei war, ab da war es sogar richtig gut.
Ich weiß was zu tun ist, weiß wo ich was finden kann, meine kreativen Ideen werden geschätzt und gemeinsam umgesetzt. Wir haben Themen, über die man reden kann, denn die ganze Kleiderbörsensache ist vielschichtig. Und wenn man mal so gar nichts zu sagen weiß, dann guckt auch keine komisch, wenn man seltsam murmeld in der Gegend herumläuft… („74, ich brauche 74, und 68, aber hauptsächlich 74, haben wir noch 74? 74. 74!“ – so oder so ähnlich 😉 ).

Der Laden ist lang genug, um sich im Zweifelsfall auch aus dem Weg gehen zu können, denn manchmal sind Helfer dabei, die ich nicht verstehe- und damit meine ich nicht die Wortsprache… Die kann ich dann nicht einordnen, und deswegen halte ich mich dann gerne woanders auf. Wenn es sein muss suche ich mir auch eine Stelle abseits, das ist immer Möglich, oder ich muss „mal schnell weg“. Das Klo ist schließlich am anderen Ende des Ladens, super was? 😉

Allgemein finde ich es grade großartig, da mitzuhelfen. Ich habe zwar auch schon mal gruseligen Menschenkontakt (und damit meine ich gruselige Menschen 😉 ) aber Hauptsächlich geht es wirklich um die Sache. Es wird. Ich helfe bei etwas wichtigem, das freut mich.

Es ist natürlich trotzdem sehr anstrengend, und nach täglich im Schnitt 3,5 Stunden bin ich hinterher auch immer ziemlich fertig. Nicht körperlich, das ist nicht das Problem.
Ohrenrauschen habe ich auch schon wieder, gestern dann mit dem Knacken, das ankündigt, dass ich gefälligst mal langsam machen sollte.

Trotzdem möchte ich aber erst mal bis zur Eröffnung so oft wie Möglich mithelfen, denn dieser Eröffnungstag verschiebt sich im Moment etwas nach hinten. Ursprünglich sollte morgen eröffnet werden, jetzt ist es noch etwas ungewiss. Nach der Eröffnung sehe ich mal, wie der Plan ist. Helfen will ich weiterhin, aber erst mal nicht mehr in der Frequenz wie jetzt. Das geht nämlich zwar jetzt eine Weile gut, aber danach bin ich auch erst mal kaputt. Hab ja immerhin nebenbei zu Hause auch noch Dinge zu tun, und ich kann nicht immer gereizt reagieren (also explodieren…), weil mir wieder alles zu viel ist.

Morgen dann „Asylkreis“. Gehe ich hin oder nicht…? Ich weiß es noch nicht… vermutlich nicht… oder doch?
Überwiegt Pro oder Contra?? Helft mir mal!

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Flüchtlingshilfe – Gedankenbrei, ungefiltert

Flüchtlingshilfe.

Also, DASS man was tun muss wenn man es kann sollte ja klar sein. Die Frage war für mich bisher immer nur- WAS?

Bisher ist hier im Ort eh alles nur schleppend vorangegangen, weil der alte Bürgermeister keine Bürgerbeteiligung wollte. Die Bürger haben sich aber beschwert, und jetzt ist seit kurzem ordentlich was angelaufen und man beginnt, sich zu vernetzen.
Gute Sache!

Der Gatte und ich haben uns direkt auf die Helferliste setzen lassen.

Alles soweit gut, und ich bin auch wirklich froh, dass jetzt etwas passiert.

Aber.

In meinem Kopf kreiselt es. Was KANN ich überhaupt tun? Welche Möglichkeiten gibt es? Ich kann direkt helfen, den Leuten. Patenschaften werden vergeben. Gespräche. Kontakt.

Das ist alles so wichtig, aber kann ICH das wirklich? Ich hab ja so schon Probleme mit Leuten, die ich nicht kenne, wie ist es dann erst, wenn die Leute und ich nicht mal die selbe Sprache sprechen? Irgendwie traue ich mir das nicht zu.

Nächste Woche ist „Asylkreis“ in der evangelischen Gemeinde, was anscheinend bedeutet, dass sich Flüchtlingsfamilien mit Ortsansässigen treffen. Kinder ausdrücklich willkommen. Auch das finde ich eine tolle Sache, grade für die Kinder. Zum Spielen braucht man nicht unbedingt die gleiche Sprache sprechen.

Aber: Laut, viele Leute, fremde Leute. Total die Umgebung, die meine Kinder und ich genießen- nicht. Wobei, Kind 3 würde vermutlich irgendwo im Getümmel stecken und spielen, der stürzt sich immer mitten rein. Aber Kind1? Und Kind2, die mir extrem ähnlich ist, braucht immer lange um in fremder Umgenung überhaupt sprechen zu können. Urgs.
Abgesehen davon hat der Große mittendrin einen Termin, zu dem ich hin muss.

Ich bin immer noch hin und her gerissen ob ich das jetzt mache oder nicht. Wird vermutlich spontan am Donnerstag entschieden. Und zwischendrin muss ich halt mal weg, zum Termin,das kommt mir ja sowieso immer sehr gelegen als Ausrede 😉

Was ich kann: In der Kleiderbörse Kleidung sortieren.
Allerdings habe ich nicht ganz damit gerechnet, dass die Helfer sich gegeneinader ausstechen müssen. „Ich helfe schon sooooooooo lange, und Du erst so (weniger) lange“, „Also, wir machen das hier immer so, da musst Du Dich dran halten!“, außerdem müssen Meinungsverschiedenheuten so ausgetragen werden, dass derjenige gewinnt, der seine Meinung am lautesten sagt und am häufigsten immer wiederholt. Ganz schön krass…

Egal. Ich habe einfach nichts gesagt (weil ja neue Leute… ) und habe sie sich gegenseitig annickeln lassen. Und Kleidung sortiert. Denn das kann ich, sogar sehr gut. Morgen gehe ich wieder hin.
Auch, wenn das Sortieren am Freitag einen fetten Overload mit sich gebracht hat, der in einer Migräne endete, das beliebsteste Not-Aus meines Körpers…

Und jetzt muss ich mal sehen wie ich weiter machen kann. Denn etwas tun, das finde ich wichtig. Aber was es dann am Ende wird, das sehen wir dann noch.

Flüchtlingshilfe – Gedankenbrei, ungefiltert

(Über)leben in der Welt der anderen, Teil 2

Klar, wenn man einmal angefangen hat, dann fällt einem immer mehr ein 😉 So dann eben auch, als ich unterwegs war.

Lage sondieren– wenn ich irgendwo neu dazu komme- ein neuer Freundeskreis, neue Schulklasse, bzw deren Eltern, so etwas- dann sage ich meistens nur das allernötigste- meistens eher gar nichts. Ich schaue mir die Gespräche an, wie die Leute reagieren, und überlege mir dann, was die anderen wohl erwarten. Also, wie man sich benimmt. Erst dann „traue“ ich mich so langsam, selber etwas zu sagen. (Wobei das auch nicht immer klappt, weil ich nie weiß, wann ich reden „darf“, und im Gespräch der anderen immer angestrengt nach den …Lücken suche, in denen ich etwas sagen kann. Manchmal sage ich auch weiterhin gar nichts, weil es nicht geht)

Verkleiden- ich überlege immer, wenn ich irgendwo hin gehe, wer ich sein möchte und was ich tragen werde. Nicht: Ist es schick und schön?, sondern: Was wissen die Leute von mir? Wen will ich darstellen? Das ging soweit, dass ich mich zu Studentenzeiten als Studentin verkleidet habe- Studentinneschuhe, Studentinnenmantel, Studentinnenhose, Studentinnenpulli. Ich habe mir beim Einschreiben und beim vorherigen Besuch an der Uni die Mädels da begutachtet und im Kopf quasi statistisch bewertet was am häufigsten getragen wird.Das habe ich mir dann gekauft, damit ich nicht auffalle, während ich sondiere 😉 Später habe ich mich nur noch für das Hauptfach als Studentin verkleidet, denn da sahen die Meisten genau so aus, für die beiden Nebenfächer habe ich dann meine normalen Sachen angezogen (Schlabber-Metal-Shirts) , denn da wäre der Studentinnenlook aufgefallen. Heutzutage trage ich, um unsichtbar zu sein, T-Shirt und Jeans. Wenn es aber nötig wird viele Sozialkontakte in nicht-Freundeskreisen auszuhalten- Schulfeste, Elternabende, sowas, dann achte ich sehr darauf, möglichst bunt zu sein. Wenn man auffällige Kleidung trägt, dann erwarten die Leute von einem, dass man irgendwie anders ist, und sind angenehm überrascht, wenn man dann zwar anders, aber eigentlich ganz nett ist 😉  Praktischerweise finde ich mittlerweile auffällig und bunt auch zusätzlich noch sehr, sehr super, also eine win-win Sache ^^

Körperkontakt vermeiden– Weil ich nie so ganz weiß, was an Körperkontakt okay ist und was nicht, vermeide ich es bei Freunden und Bekannten gerne. Klar, Hand geben oder Umarmen bei Freunden. Aber da weiß ich auch, dass es an der Stelle eben so gemacht wird. Begrüßen, verabschieden. Hab ich so gelernt, kann ich. Aber wenn ich manchmal neben jemandem sitze, und mein Bein stößt an das Bein des neben mir sitzenden… Ich zucke immer richtig zusammen- habe ich jetzt getreten? War das zu feste? War das jetzt überhaupt schlimm oder vielleicht wurde es nicht bemerkt? ICH habe es aber bemerkt, ganz deutlich. Vorsichtshalber entschuldige ich mich immer, und ich habe dafür schon oft verwirrte Blicke bekommen- „Aber… Du hast mein Bein doch bloß berührt?“ Ich tue es dann immer mit einem Lachen ab, so als wäre es für mich tatsächlich nichts gewesen.
Menschen berühren sich nun mal einfach.
Aber weil ich zusätzlich immer für mich analysieren muss- war das ein Versehen? War das von meinem Gegenüber mit Absicht? Welche Absicht steckt dahinter? Denkt der andere sich überhaupt etwas dabei?- fällt mir das Berühren immer schwer.
Nicht in der Familie, natürlich. Kinder und Mann dürfen das- wenn auch nicht im Gesicht. Da muss ich schon gut drauf sein, dass mir jemand ans Gesicht darf.
Bei Freunden, die ich gut kenne, kann ich es auch mittlerweile schaffen, Berührungen „auszuhalten“. Ohne es schlimm zu finden.
Das heisst, schlimm finde ich es ja auch sonst nie. Ist mir immer nur zu viel Analyse und zu kompliziert. Vermeiden ist wie immer einfacher 😉

Was ich aber tatsächlich richtig, richtig schlimm finde ist kitzeln, vor allem überraschend. Viele finden das ja extrem lustig, wenn ich durch meine Berührungsempfindlichkeit laut quietschend aufspringe. Dabei finde ich das gar nicht lustig. Durch die überraschende Berührung zuckt alles in mir so zusammen, dass es mir fast weh tut. An einem TasseVollTag kann das sogar zu richtigen Wutausbrüchen führen. Kind2 hat das mal an eigenem Leibe miterlebt, und es hat ihr vorübergehendes Kuschelverbot im Elternbett eingebrockt. Ein Freund, der mich immer gekitzelt hat, hat irgendwann ständig von mir gegen das Schienbein getreten bekommen wenn er mich gekitzelt hat (Was aber nix genützt hat… er fand es zu lustig…) (JAAA, ich meine Dich!!!! 😉 ). Auch Kitzeln kann ich äußerlich mit einem Lachen abtun- wenn es nicht zu oft passiert- aber es kann die Tasse extrem schnell voll machen. Hauptsächlich auch durch die innere Anspannung- Ich erwarte dann ständig, nochmal gekitzelt zu werden.
Gekitzelt zu werden kann man leider selten vermeiden, denn wenn man normalerweise sagt „Das tut mir weh!“ dann glaubt einem das eh niemand. Kitzeln tut doch nicht weh, das ist lustig!
Oh. Abgedriftet. Nunja, egal, hab ich jetzt aufgeschrieben, wisst ihr jetzt, ne? 😉

Smalltalk/ Floskeln üben-
Ist schwer für mich, wird aber benötigt. Nämlich um Kontakte zu knüpfen. Hört sich ja hier immer so an als würde ich mich von jedem Lebewesen fernhalten, um keine Sozialkontakte zu haben. Stimmt aber nicht, ich würde gerne locker flockig auf Leute zugehen können und reden, ich kann es nur nicht so ohne weiteres. In meinen Sondierungsrunden habe ich mir andere Leute beim Smalltalk angesehen- bzw angehört. Was sagt man? Wie lange redet man? Woran merkt man, dass der andere jetzt fertig ist mit Smalltalk? Für mich habe ich herausgepickt: Kinder, das Wetter, „Ich mache jetzt gleich…“,.
Kinder als Thema ist ja super für Kindergarten und Schule- wenn die Kinder dann mal größer sind muss ich mir wohl was anderes aussuchen. Wetter geht immer, denn es ist ja immer welches da. Meist ist es allerdings das falsche, das kann man dann ausdiskutieren. Man MÖCHTE über das Wetter meckern, es interessiert die Leute nicht, ob ich es WIRKLICH schlimm finde dass es endlich mal wieder regnet, oder nach langem Reden die Sonne sofort wieder zu HEISS scheint. Das musste ich erst mal lernen. „Ich mach jetzt/gleich“ eignet sich für überall unterwegs, sagen wir mal beim Supermarkt vor dem Käseregal. Wenn ich da jemanden treffe, der auf Smalltalk aus ist (und der jenige nicht schon ein Thema vorgibt), dann sage ich Dinge wie „Hab ich doch tatsächlich beim letzten EInkaufen den Käse vergessen, da muss ich jetzt schnell noch etwas kaufen!“ oder wasauchimmer ich grade mache. Kurzes Statement darüber was ich vor habe, kurzes Austauschen mit der Smalltalkoerson, und schnell weiter („Ich hab noch nen Termin!“). Wenn man sich oft genug in solchen Situationen getroffen hat, hat man auch irgendwann vielleicht mal ein echtes Thema.
Oh, und auf „Hallo, wie gehts?“ möchte niemand als Antwort die Wahrheit hören, es sei denn die Antwort lautet „Danke, gut!“. Bis ich DAS mal herausgefunden hatte…

Hm, irgendwas war noch… das hab ich aber vergessen. Vielleicht fällt es mir ja noch ein, dann gibt es noch Teil 3 ^^

(Über)leben in der Welt der anderen, Teil 2

(Über)leben in der Welt der anderen

Meist fällt anderen ja gar nicht auf, dass etwas an mir anders ist. Auch wenn man mich schon eine Weile kennt, man wird vielleicht merken, dass ich manchmal etwas seltsam, aber nie so komplett aus dem Rahmen falle.

Das liegt daran, dass ich mich ziemlich gut anpassen kann.

Ich habe Strategien für die verschiedenen Situationen entwickelt, die mittlerweile zu Routinen geworden sind. Frau Anders nennt sie Helferlein, ich nenne sie… öhm…gar nicht, weil ich nicht mehr darüber nachdenke und einfach mache 😉

„Ich muss los, ich habe einen Termin!“ – Wenn ich morgens Kind3 in den Kindergarten bringe bleibe ich normalerweise nicht lange. Ich schmeisse ihn ab,warte bis er sich fertig umgezogen hat, sage ihm tschüss und gehe. Manchmal wechsele ich ein oder zwei Worte mit den Erzieherinnen oder mit anderen Eltern, aber ich versuche eigentlich, schnell heraus zu kommen. Wenn es also um zu viel Kommunikation, Smalltalk und soziale Kontakte geht, dann muss ich immer ganz dringend nach Hause, weil ich etwas wichtiges zu erledigen habe. Ich weiß nämlich einfach nicht, was ich mit den meisten  Leuten besprechen soll. Die aktuellen Kindernews sind immer schnell ausgetauscht, und sonst weiß ich ja nie viel über die Leute- weil ich auch nicht so wirklich weiß was man in so einem Gespräch fragen/sagen  darf und was schon zu persönlich ist. Also sage ich lieber nix und gehe. Oder ich renne ein bisschen, um WIRKLICH deutlich zu machen, dass es ein SEHR WICHTIGER Termin ist. Mann, so aufgeschrieben klingt das ganz schön feige und nach Flucht. Isses vielleicht auch. Fühlt sich aber in den Momenten immer ziemlich richtig an 😉

„Ich hab etwas zu tun“– ist quasi das gleiche, aber in anders. Ist mir bei unserer letzten großen Party aufgefallen, als ich mich selber beobachtet habe. Ich habe keine Ruhe, mich hinzusetzen und mit jemandem zu reden, ich bin zu flatterig. Also endet es eigentlich immer darin, dass ich hin und her renne, und weil ich ja Gastgeber auf unseren Partys bin habe ich tatsächlich immer etwas zu tun. Nur so kann ich die große Menge Menschen aushalten- Leute, mit denen ich „einzeln“ stundenlang reden kann. Also, liebe Freunde, mit denen ich mich nicht unterhalten habe, das meine ich nicht böse, es ging nur nicht anders… Ich hatte trotzdem – oder grade deswegen? Spass.

Auf den Mund gucken– Ich kann ja, wie ich schon mal irgendwann schrieb, niemandem wirklich lange im Gespräch in die Augen gucken. Also, ich könnte schon, aber dann bekomme ich vom Gespräch nichts mehr mit, weil die Konzentration weg ist. Auf den Mund des Gesprächspartners zu gucken, und hin und wieder den Blick zu den Augen zu lenken, reicht dem Gegenüber anscheinend aus. Wurde mir zumindest mal gesagt, im Sinne von: „EEEECHT, Du bist ein Aspie? Du kannst mir doch in die Augen gucken!“ Ja, kann ich. Ist nur schwer. Deswegen schummele ich 😉

Wegbeamen– Davon habe ich ja schon einige Male geschrieben. Wenn ich in einer Situation bin, in der es unerträglich laut ist, und/ oder viele Menschen reden, gehe ich mit meinem Verstand aus der Situation weg. Ich fühle mich dann nur so halb anwesend, irgendwie unsichtbar. Ich bekomme zwar alles irgendwie mit, aber es betrifft mich nicht. Lautstärke nervt dann zwar noch, dem ganzen wurde aber die Spitze genommen und ich halte es länger aus. Das geht wunderbar auf Festen mit lauter Musik, allerdings nur, wenn ich alleine unterwegs bin oder wenn ich weiß, dass für die Kinder gesorgt ist, also jemand dabei ist. Denn für die bin ich dann auch nur noch bedingt ansprechbar. Auf Veranstaltungen, wo Kommunikation gefordert ist geht es nicht, weil ich dann nicht adäquat reagieren kann.

Listen erstellen– Ich bin hoffnungslos chaotisch. Es ist zwar schon besser geworden aber ich stehe mir selber immer im Weg. Die einzige Möglichkeit etwas auf die Reihe zu bekommen ist es, eine Liste zu verfassen. Gerne notiere ich, was für den gesamten Tag zu tun ist, oder auch nur immer wieder laut aufsagen, was ich in den nächsten paar Minuten zu tun habe. Grade wenn zu viel auf einmal ist und mein Kopf rauscht und die Tasse voll ist, dann hilft so eine Liste, mich wieder zu erden. Und vielleicht auch zu funktionieren. Listen helfen eigentlich immer, denn die kann ich immer wieder ansehen und merke, dass das Tohuwabohu in meinem Kopf ja sotierbar ist.

Gedankenkarten erstellen– Um irgendwo hin zu kommen nehme ich meist den gleichen Weg. Herr Gatte guckt mich dann immer verwundert an, wenn ich seiner Ansicht nach Umwege fahre, aber nur, wenn ich meiner Gedankenkarte folge, kann ich auch ankommen, ohne unterwegs in hektisches Flattern (SEHR unpraktisch beim Fahren!!) auszubrechen. Ich kann allerdings auch andere Wege lernen, wie ich festgestellt habe. Als in der Stadt ein paar wichtige Strecken gesperrt waren und ich anders fahren MUSSTE habe ich tatsächlich neue Strecken gelernt. Wenn ich also jetzt irgendwo in die Stadt möchte, dann rufe ich vor dem Fahren meine Gedankenkarte ab, überlege, wie ich am besten wo hin komme (jedes Mal aufs neue, übrigens, die Wege müssen jedes Mal wieder aktiv ins Gedächtnis gerufen werden.), baue mir die Strecke zusammen und erst dann kann ich ohne innerliches Flattergefühl fahren. Wenn ich einfach darauflos fahre, dann habe ich während des Fahrens ganz oft einen riesigen Schreck und bin ganz aufgeregt, weil ich vergesse wohin ich überhaupt wollte. Dann muss ich mir die Karte vor Augen rufen, die nur „meine“ Strecken enthält, und alles ist entspannt.

Deligieren– Manches kann ich nicht, oder schaffe es grade nicht. Sonnencreme cremen zum Beispiel kann ich nicht, ich kann das Gefühl von Sonnencreme auf den Fingern nicht ertragen. Das muss also immer der Herr Gatte oder eine andere anwesende Person bei den Kindern machen. Oder ich habe TasseVollTag™ , dann muss ich manchmal ganz schnell weg. Deligieren an den Herrn Gatten oder eine andere anwesende Person und abreagieren. Das klingt simpel, ist es aber gar nicht so sehr, denn deligieren musste ich erst mal lernen. Damit gibt man ja auch die Kontrolle ab, wie etwas gemacht wird. Und andere machen Sachen eben ganz anders als ich. Ich muss also mit den Konsequenzen leben lernen.

Unpädagogischen Mist Machen– Manchmal geht deligieren nicht, weil keiner da ist. Dann muss an einem TasseVollTag™ eben auch mal ein Film daher, vor dem die Kinder geparkt werden, damit meine Tasse nicht überläuft. Dabei ist es immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Ich muss noch in der Lage sein, etwas einzuschalten, ohne dass wir uns gegenseitig an die Gurgel hüpfen. Aber zu oft darf man das ja auch nicht machen, sonst bestehen die Kinder darauf und wollen nichts mehr anderes. Schwierig. Und Sonnencreme gibt es dann meistens gar nicht erst…

Abschotten– Wenn ich irgendwo mitten hinein muss, dann sorge ich manchmal dafür, dass nicht zu viele Reize auf einmal an mich heran kommen. Am liebsten trage ich für sowas eine Schirmmütze/Baseballkappe/Hut mit gebogenem Brett vorne dran. Kappe halt =) Das wirkt wie Scheuklappen und nimmt schon mal sehr viel optische Reize weg. Wenn ich leicht nach unten gucke kann ich auch gut Augenkontakte mit Fremden vermeiden. Sonnenbrille kommt- wer hätte es gedacht- dazu, wenn es zu hell ist. Mir ist es aber manchmal auch an stark bewölkten Tagen zu hell. Wenn ich die Brille dann nicht trage kann ich meine Augen nicht öffnen- schlecht beim Autofahren, muss dann manchmal anhalten weil es nict mehr geht. In öffentlichen Verkehrsmitteln, aber nur wenn ich alleine unterwegs bin, trage ich dann noch Ohrstöpsel. Schrieb ich ja schon, die funktionieren fast wie wegbeamen, oder sie beschleunigen das Wegbeamen, weiß ich jetzt nicht genau. Ohrstöpsel schotten mich jedenfalls am Besten ab, verhindern damit auch jede Kommunikation. Ich muss die DInger sofort rausnehmen, wenn ich sprechen muss, sonst bin ich „nicht richtig da“, auch wenn ich ziemlich alles höre damit.

Trinken, bzw nicht verdursten– Kind1 und ich haben kein Durstgefühl. Quasi gar nicht. Und wenn wir durstig sind, dann sind wir schon nahezu ausgetrocknet. Also muss Trinken auf Vernunftsebene vonstatten gehen. Um genug zu trinken habe ich große Tassen, 0,5 Liter fassen die. Ich „zwinge“ mich, morgens, mittags und abends mindestens eine Tasse leer zu trinken. Damit ich aber auch diese große Menge trinken kann muss es das richtige sein. Wasser kann ich nicht trinken, ich ekele mich davor. Also, es geht irgendwie, aber nur so geringe Mengen, dass es quasi nicht zählt. Sprudelige Getränke kann ich auch nicht gut, bzw nicht in ausreichender Menge, trinken, genau so wie kalte Getränke. Bleibt ja eigentlich nicht mehr so viel übrig 😉 Ich habe für mich eine sehr gute Mischung gefunden, die ich trinken kann. In die riesige Tasse kommt 1/3 Apfelsaft, naturtrüb, von Aldi. (Andere sind nicht richtig und deswegen trinke ich davon dann auch nie genug 😉 ). Auf den Apfelsaft kommen 2/3 heißes Wasser. Ganz kurz abkühlen lassen um mich nicht zu verbrennen, und dann wird die Tasse in einem oder zwei Zügen ausgetrunken. Geht wirklich gut so, und es ist tatsächlich DAS Getränk, das ich seit 7 Jahren fast ausschließlich trinke- neben Kaffee, natürlich 😉 Wenn ich woanders hin gehe trinke ich oft dann nichts/nicht viel, oder ich nehme mir Thermoskanne/Wasserkocher, Saft und die große Tasse mit. In meinem Ein-Tages-Urlaub hatte ich extra den Reisewasserkocher dabei, und 2 Liter Apfelsaft ^^

An der Trink- Strategie für Kind1 arbeiten wir noch… *seufz* (am besten intravenös… *augenroll*)

Einkaufskarte– Hier setze ich wieder meine Gedankenkarte ein. Ich schreibe den Einkaufszettel so, dass alles in der richtigen Reihenfolge auf dem Zettel steht, so wie es auch im Laden zu kaufen ist- Wenn etwas, das es am Ende des Ladens gibt am Anfangdes Zettels steht, dann vergesse ich es. Wenn mich dann unterwegs noch jemand anspricht, dann vergesse ich ALLES. Wenn ich sogar den Zettel irgendwo vergessen habe, dann sieht man mich oft mit geschlossenen Augen im Supermarkt stehen, weil ich mir dann wieder meine Gedankenkarte aufrufe. Ohne Gedankenkarte (oder eben daraus resultierendem Zettel) finde ich NIX. Lustige Wendung: Neulich, also vor ein paar Monaten, hat unser Supermarkt komplett umgeräumt. Meine Gedankenkarte  ist immer noch nicht wieder vollständig und ich verlaufe mich ständig. Und vergesse sehr viel…

Flucht– Manchmal hilft alles nichts, dann muss ich weg. Ich habe dafür ein „Versteck“ im Wandschrank, eine Stelle hinter einem verschiebbaren Regal. Da ist eine IrresHuhnsPopoGroße Lücke, in der ein Kissen auf dem Boden liegt, eine Decke in greifbarer Nähe, wenns mal wieder länger dauert. Hier lese ich im dunkeln am EReader mit Beleuchtung, oder ich spiele am Handy. Wenn eines der Kinder mich findet (Nur Kind3 kennt das Versteck noch nicht) wird es leider sehr unfreundlich rausgemotzt. Mein Schrank ist meine „Nothaltebucht“ geworden. „Früher“ war sie nur dazu da, dass der Gatte bei Kind3 auch mal die Möglichkeit hatte, ihn ins Bett zu bringen, weil Kind3 extrem Mamafixiert war. Aber weil ich wirklich monatelang fast jeden Abend zur Zubettgehzeit der Kinder dort mindestens eine halbe Stunde verbracht habe ist es jetzt ein wirklich guter Rückzugsort geworden- es passt nämlich sonst niemand da hinein! Mein Bett wäre mir lieber, Decke über den Kopf und so, aber da kommen die Kinder immer zum Kuscheln dazu. Und wenn ich flüchte, dann kann ich auch nicht kuscheln.

Freunde treffen- Ich habe ja glücklicherweise mittlerweile viele Freunde, was mich glücklich macht. Diese Freunde zu treffen ist aber immer so eine Sache. Irgendwo auf einem Fest, einer Veranstaltung, im Ikea treffen, so wie es einige machen, kann ich nur bedingt. Am besten ohne (meine) Kinder. Aber die meisten Freunde sind auch des Gattens Freunde, außerdem haben sie selber Kinder, und unsere Kinder haben sich ebenfalls angefreundet. Also ist es ja doof, wenn ich mich alleine treffe. Also lade ich zu uns nach Hause ein. Zu Hause bin ich in meinem Element. Ich habe immer etwas zu tun, kann, wenn ich mal grade nichts zu sagen weiß, etwas hervorkramen und zeigen. Die Kinder gehen irgendwo spielen, die Erwachsenen unterhalten sich. Und wenn ich grade mal nicht reden kann, dann sage ich halt nichts, Herr Gatte ist ja auch noch da. Zu Hause ist mein sicherer Hafen, und für mich ist es wirklich am einfachsten, wenn alles bei uns stattfindet. Auch wenn das mehr Arbeit bedeutet. Auch Freunde der Kinder habe ich am liebsten bei uns zu Hause, damit ich nicht zu anderen Familien nach Hause fahren muss und ekelige Sozialkontakte erleben muss 😉

So. Mehr weiß ich grade nicht. Das meiste ist irgendwie Vermeidungsstrategie, stelle ich fest. Ich igele mich am liebsten ein, was natürlich nicht immer klappt.

Und nun- Freunde, schreibet: Habe ich etwas vergessen? Ihr kennt mich doch und seht wie ich nach außen so bin. Kann ich noch was aufschreiben? Gibt es irgendwas, das mir nicht mehr auffällt, aber Euch? Bin neugierig ^^

(Über)leben in der Welt der anderen

Ärzte verwirren und anderes

Als ich heute die Unterlagen fürs Jugendamt ausgefüllt habe (das Jugendamt ist bei Kindern für die Bewilligung von Autismustherapie zuständig) ist mir eine kleine Begebenheit von unserem Aufenthalt im Kinderneurologischen Zentrum eingefallen, über die ich immer wieder schmunzeln muss.

Wir waren zusammen im Gespräch bei den Fachleuten, Kind1, der Gatte und ich. Kind1 sollte etwas erzählen, was er auch tat. Und dann sagte er: „Die Mutter sagt immer….“

„Moment!“ rief die eine Ärztin dazwischen. „‚Die Mutter‘? Wer ist denn ‚die Mutter‘?“

Kind1 guckte sie verständnislos an, deutete auch mich und sagte: „Na, die Mutter eben!“

Verwirrt guckte mich die Ärztin an und ich erklärte, dass es sich irgendwann eingebürgert hatte- wie auch immer- dass wir uns nur noch mit Bezeichnungen und Spezifikationen anreden würden. Die Mutter, der Vater, die Tochter, der Sohn. Letztere gerne „Sohn, groß“ , oder „Sohn, klein“. Hin und wieder auch schon mal „Sohnkommagroß“ und „Sohnkommaklein“.  Uns würde das aber quasi gar nicht so auffallen, weil wir das eben ständig machen.

Ich glaube, damit war allen klar, dass wir durchaus alle an der richtigen Adresse waren, nicht nur Kind1, und der verwirrte Blick der Ärztin sprach Bände 😉

Achja, das Jugendamt. Davon wollte ich ja auch noch berichten!

Um die Autismustherapie bewilligt (und bezahlt) zu bekommen, müssen wir uns ans Jugendamt wenden. Die begutachten alles und entscheiden, ob Kind1 eine Therapie bekommt oder nicht. Mit der bestehenden Diagnose ist es aber schon beinahe klar, dass das alles auch bewilligt wird.

Weil ich aber nicht wusste, wie das alles so vonstatten geht, habe ich mich zuallererst an ein Autismustherapiezentrum gewendet. Dort hat man mir dann gesagt, dass man mir Unterlagen zuschicke, die ich an das Jugendamt senden soll.

Gesagt, getan, die Unterlagen waren sehr schnell da. Ich füllte aus, suchte im Internet die Adresse des Jugendamtes in der Stadt, versandte den Brief und wartete. Und wartete. Und wartete.

Ein bisschen unruhig wurde ich,aber hey, es ist eine Behörde, die haben zu tun, vielleicht dauert es einfach?

Und dann bekam ich irgendwann einen Anruf. Meine Unterlagen seien nun eingetroffen. Ich hatte sie an das falsche Jugendamt geschickt. Es gibt in der gleichen Stadt ein Jugendamt für den Stadtbezirk und eines für den Kreis. Das Stadt-Jugendamt hat meine Unterlagen dann an das Kreis-Jugendamt weitergeleitet, und bis es endlich bei der richtigen Sachbearbeiterin angekommen war hat es eben gedauert.Uff.

Vor einer Woche hatte ich den Termin zum Gespräch, und ich bin ganz begeistert- die Sachbearbeiterin ist großartig! Sehr nett, und ich habe auch das Gefühl, dass sie wirklich weiß wovon sie spricht.

Ich werde ihr morgen die komplettierten Unterlagen bringen, und dann bin ich gespannt wie es weiter geht. Ist ja alles neuland für uns… Spannend, spannend!

Ärzte verwirren und anderes

Und dann gibt es noch…

…diese Veranstaltungen, auf denen man herumsteht, merkt, wie man sich wegbeamt, alles ist einem zu viel, zu laut, zu …bäh …

…und dann schaut man zur Seite und sieht das strahlende Gesicht der Schwiegermutter, die sich schon lange nicht mehr aus dem Haus „getraut“ hat, die sich aber für uns einen Ruck gegeben hat- und der es dann plötzlich so gut gefällt, dass sie noch bleiben möchte. Bis ganz zum Schluss. Obwohl sie sich die Füße plattgestanden hat, was sie kaum noch gewohnt ist.

Dafür lohnt es sich, da zu bleiben, auszuhalten.

(Und ein bisschen wegbeamen ist dann ja auch erlaubt 😉 )

Und dann gibt es noch…