Lernfähig. (?)

Es gibt da diese Veranstaltung (eine Messe) , zu der ich unbedingt gerne hin möchte. Ich weiß, dass mehrere liebe Freunde dort sein werden, weiß, dass es viele, viele „Attraktionen“ dort geben wird, die mir gefallen. Ich will so unbedingt da hin, dass ich schon ganz aufgeregt bin, wenn ich nur daran denke. Ich sehe mir die Internetseite an und kann nicht mehr still sitzen. Genau das ist es, was ich schon wirklich, wirklich lange einmal machen wollte!

Aber: Ich werde nicht hinfahren, und ich bin beinahe glücklich darüber, die Entscheidung jetzt getroffen zu haben.

Ich habe mich nämlich mal hingesetzt und überlegt, was es für mich bedeutet dahin zu fahren, wie es wohl für mich sein wird.

In meiner Freude und Aufregung, während ich über die Veranstaltung gelesen habe, blende ich nämlich immer alles aus. Ich lese: Dieses und jenes wird passieren!!! und vergesse dabei, dass es noch 2947565 andere Leute gibt, die das ebenfalls genau so großartig finden wie ich.

Die Veranstaltung wird voll sein, und laut. Ich würde lange in Schlangen stehen müssen, um die Programmpunkte sehen zu können, um die …äh… Attraktionen für wenige Sekunden zu Gesicht zu bekommen.
Andere Leute werden mit warten, und Smalltalk „droht“. Das ist an und für sich nicht so dramatisch, weil wir ja alle das gleiche Thema hätten. Aber durch die zu erwartende Lautstärke werde ich quasi nicht Aufnahmefähig sein, wie immer in solchen Situationen. Somit werden Unterhaltungen auch schwierig, grade auch mit Leuten, die ich vielleicht nicht kenne. Ich bin mir sicher, dass ich mich zumindest zeitweise wegbeamen würde, und um da herauszukommen. in die „wirkliche Welt“ zurück,  brauche ich sehr viel Kraft.

Kraft, die ich ich eigentlich brauchen würde, um die Veranstaltung zu genießen.

Wenn ich dann also da hinaus gehen würde, und als Fazit ziehen würde: „War wohl ganz nett, wenn ich noch wüsste was alles passiert ist!“… dann kann ich es auch gleich lassen.

Außerdem weiß ich ja, was so etwas HINTERHER mit mir macht. Bis ich dann wieder auf den Beinen bin vergehen Tage.

Die einzige Möglichkeit für mich, auf diese Veranstaltung zu gehen, wäre von vornherein Ohrenstöpsel zu tragen. Damit ist auch klar, dass ich keine Gespräche führen könnte, denn ich verstehe dann mein Gegenüber kaum noch. Also müsste ich alleine hin. Also, alleine unter tausenden, meine ich. Aber mit Ohrenstöpseln, also einem geblockten Sinneseindruck, fühlt es sich genau so an als hätte ich mich weggebeamt. Ich bekomme zwar alles mit, aber es fühlt sich nicht ganz real an, weil etwas fehlt. Und die Wegbeamtaktik funktioniert halt  hauptsächlich dadurch, dass ich vom Geschehen „weggehe“- ich will ja aber da bleiben, um alles mitzubekommen.

Also, alles doof. Diese Art Veranstaltung kann ich für mich eigentlich knicken.

Ich war als Teenager ein paar Mal auf einer der großen Büchermessen, was einerseits toll war (Lieblingsautoren sehen!!), andererseits so dermaßen anstrengend, dass ich mich ganz oft hinter die Stände gesetzt habe, weil dort niemand lief. Hinter den Ständen konnte ich … sowas wie relaxen. Der Stress spielte sich vor den Ständen ab.

Leider aben eben auch die Dinge, wegen denen ich dort war.

Wenn ich gute Sachen wollte, musste ich mich ins Getümmel stürzen.

Ein paar Mal habe ich es gemacht und geschafft, aber der Preis war tatsächlich, dass  ich bis auf ein paar markante Begebenheiten eigentlich keine Erinnerung an den Tag habe. Klar, diese Begebenheiten waren dann doch ziemlich cool oder lustig und ich erzähle auch heute noch gerne, wie der SEHR stark schielende Lieblingsautor auf mich geschaut hat und mich gefragt hat, wohin er sein Autogramm setzen solle, und ich verwirrt umhergeschaut habe um herauszufinden, wen er denn nun meint… ach, MICH? Upps… äh.. ja…also… ist egal wohin, ähem.

Das große, bis heute gebliebene Gefühl der Buchmesse ist Überforderung, Anstrengung, Stress, zitternde Hände. Müdigkeit, komplett.

Das möchte ich nicht für die nun bald kommende Veranstaltung haben. Ich möchte es als gelungenes Event haben, von dem ich noch lange etwas habe, und weil das nichts ist, das irgendwie wahrscheinlich ist, lasse ich es lieber. Und trage hiermit den Freunden auf, mir haarklein alles zu erzählen, hunderte Fotos zu machen (und mir zu zeigen, alle!!), und vielleicht auch eine winzige Kleinigkeit für mich mitzubringen. Nen Flyer oder sowas. Erlebt es für mich, habt Spass für mich mit! Aber ich bleibe zu Hause, und bin ein bisschen stolz auf mich, weil ich es geschafft habe, das zu tun, was richtig ist.

(Ich werde stattdessen an dem Tag eine andere Veranstaltung besuchen, denke ich. Viel, VIEL kleiner und ruhiger. Und komplett anders. Und ebenfalls extrem cool! 😉 )

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Lernfähig. (?)

9 Gedanken zu “Lernfähig. (?)

  1. Hach! Verstehe ich vollkommen! Es wird sicherlich megavoll sein und das wird sicher auch für alle anderen superanstrengend sein. Ich weiß selbst noch nicht, ob ich hingehe. Mit dir wäre ich bestimmt gegangen! 😉 Aber ich würde mich bestimmt auch etwas unwohl fühlen. Hach. Hmm. Mus sich noch mal mit dem Gatten sprechen…

    Aber: Top, dass du das für dich so entscheiden kannst. Und ja, ich kenne das Gefühl, wenn man sich GEGEN etwas entscheidet, was man eigentlich machen will, und dann merkt, dass es die richtige Entscheidung ist, auch wenn es vielleicht doof ist. Das fühlt sich gut an! 🙂

    Liebe Grüße!

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    1. Klar, sowas ist für jeden anstrengend, ist ja irgendwie auch wie Marathon. Marathonstehen, und Marathonmenschentreffen zwar, aber ebenfalls anstrengend ^^
      Ich bin ja gespannt, wofür Du Dich entscheidest. Und wisse: Würde ich gehen, wärest Du (und eine gewisse andere übliche Verdächtige) auch diejenige, mit der ich hingegangen wäre 😉
      Aber. Nix hingehen. Fühlt sich wirklich gut an!

      Außerdem: Hier bitte einen unreifen, pubertären Witz einfügen darüber, dass Du mit mir gehen würdest. Habe keine passenden Worte dazu gefunden, weil ich so lachen musste 😉 Was wohl unsere Gatten dazu sagen würden? 😉

      *Knutsch* 😉

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  2. Die Nachbarin😉 schreibt:

    Das finde ich richtig gut😊. Für meinen Sohn musste ich das leider letztens auch entscheiden. Er wollte eigentlich mit Oma die Star Wars Ausstellung in Köln besuchen. Nach eingehender Recherche im Internet, war ich aber der Auffassung, dass das ganz schön viel Input und Blinki Blinki, etc. ist. Oma hatte auch echt Respekt davor, alleine mit ihm in Köln zurechtzukommen, wenn „die Tasse dann voll ist“. Er war bezüglich der Entscheidung enttäuscht, konnte sich aber damit abfinden😉. Also alles gut.

    Oft können die Beiden aber auch schon für sich selber sorgen. Meine Tochter wollte zum Beispiel nicht mit auf den Schulausflug nach Bubenheim. Leider stößt dies aber nicht immer auf Verständnis. Die pädagogisch sehr qualifizierte Lehrerin (ja, das meine ich andersherum😉) versuchte sie unter Druck zu setzen, weil sie offensichtlich der Auffassung ist, dass ICH meine Tochter beeinflusse keinen Spaß zu haben und auf keinen Fall mitzugehen🙈🙉🙊. Nee, ist klar😂.

    Doppelt schlimm, die gleiche Diskussion hatten wir im Juni schon mal. Da haben die Fachleute des KiNZ eingegriffen und klar Stellung bezogen, dass meine kleine Autistin, die in Überforderungssituationen dazu neigt auszurasten, wobei auch schon andere Kinder in Mitleidenschaft gezogen wurden, auf keinen Fall an solchen lauten, chaotischen und völlig unstrukturierten Ausflügen teilnehmen soll.
    Scheinbar ist die Lehrerin der Auffassung, dass ihr Autismus in den Sommerferien beim Baden im Pool abgewaschen wurde😁. Doppelt irre, die kleine Maus hat sich nicht unter Druck setzen lassen und ist nicht mitgefahren. Ich denke das ist es worauf es ankommt, selber gut für sich zu sorgen und Überforderungssituationen, die nicht unbedingt sein muss, zu vermeiden. Also gut gemacht Tochter und Nachbarin😊👍👏.

    Schöne Grüße von nebenan😘.

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    1. Du böse Mutter verdirbst Deinen Kindern auch immer alles, echt ey! 😉
      Finde ich aber klasse, dass sie das so sagen konnte! Das war dann sicher der eine Donnerstag neulich, wo sie frei hatte? 😉
      Kind1 hat ja letztes Jahr bereits gesagt, dass er allgemein an Karnevalsveranstaltungen nicht mehr teilnehmen will, bin ja mal gespannt was unsere Lehrerin demnächst dazu sagen wird. Vielleicht muss er ja doch kommen, damit er keine Sonderrolle bekommt? 😉 (das sehen wir dann aber erst noch 😉 )

      Ich finde es ist wirklich wichtig sich klar zu machen was man sich nicht zumuten sollte, und was man dann doch machen kann, und ob man quasi auch die Geduld, die Stärke und Zeit dazu hat, die Konsequenzen… nunja, auszuhalten, zu leben. Alles kann man sich ja auch nicht nehmen lassen. Und hin und wieder kann man sich ja auch Rahmenbedingungen schaffen, um etwas dann DOCH zu unternehmen.

      Aber ja, Blinkiblinki ist schon viel,und es wäre dann ja auch eine Bus und Bahn Tour bei Oma und Deinem Sohn.
      Wir waren vorher ja in der Harry Potter Ausstellung (die war ja auch da, wo jetzt Star Wars ist) , und das war schon reichlich anstrengend. Zwar wenig geblinke, aber ständig Musik im Hintergrund, oder eingespielte Geräusche, und natürlich VIELE LEUTE (die einfach hin und wieder auch mal sprechen ^^).

      Liebe Grüße an Deine schlauen Kinder und Dich ❤

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