(Über)leben in der Welt der anderen, Teil 2

Klar, wenn man einmal angefangen hat, dann fällt einem immer mehr ein 😉 So dann eben auch, als ich unterwegs war.

Lage sondieren– wenn ich irgendwo neu dazu komme- ein neuer Freundeskreis, neue Schulklasse, bzw deren Eltern, so etwas- dann sage ich meistens nur das allernötigste- meistens eher gar nichts. Ich schaue mir die Gespräche an, wie die Leute reagieren, und überlege mir dann, was die anderen wohl erwarten. Also, wie man sich benimmt. Erst dann „traue“ ich mich so langsam, selber etwas zu sagen. (Wobei das auch nicht immer klappt, weil ich nie weiß, wann ich reden „darf“, und im Gespräch der anderen immer angestrengt nach den …Lücken suche, in denen ich etwas sagen kann. Manchmal sage ich auch weiterhin gar nichts, weil es nicht geht)

Verkleiden- ich überlege immer, wenn ich irgendwo hin gehe, wer ich sein möchte und was ich tragen werde. Nicht: Ist es schick und schön?, sondern: Was wissen die Leute von mir? Wen will ich darstellen? Das ging soweit, dass ich mich zu Studentenzeiten als Studentin verkleidet habe- Studentinneschuhe, Studentinnenmantel, Studentinnenhose, Studentinnenpulli. Ich habe mir beim Einschreiben und beim vorherigen Besuch an der Uni die Mädels da begutachtet und im Kopf quasi statistisch bewertet was am häufigsten getragen wird.Das habe ich mir dann gekauft, damit ich nicht auffalle, während ich sondiere 😉 Später habe ich mich nur noch für das Hauptfach als Studentin verkleidet, denn da sahen die Meisten genau so aus, für die beiden Nebenfächer habe ich dann meine normalen Sachen angezogen (Schlabber-Metal-Shirts) , denn da wäre der Studentinnenlook aufgefallen. Heutzutage trage ich, um unsichtbar zu sein, T-Shirt und Jeans. Wenn es aber nötig wird viele Sozialkontakte in nicht-Freundeskreisen auszuhalten- Schulfeste, Elternabende, sowas, dann achte ich sehr darauf, möglichst bunt zu sein. Wenn man auffällige Kleidung trägt, dann erwarten die Leute von einem, dass man irgendwie anders ist, und sind angenehm überrascht, wenn man dann zwar anders, aber eigentlich ganz nett ist 😉  Praktischerweise finde ich mittlerweile auffällig und bunt auch zusätzlich noch sehr, sehr super, also eine win-win Sache ^^

Körperkontakt vermeiden– Weil ich nie so ganz weiß, was an Körperkontakt okay ist und was nicht, vermeide ich es bei Freunden und Bekannten gerne. Klar, Hand geben oder Umarmen bei Freunden. Aber da weiß ich auch, dass es an der Stelle eben so gemacht wird. Begrüßen, verabschieden. Hab ich so gelernt, kann ich. Aber wenn ich manchmal neben jemandem sitze, und mein Bein stößt an das Bein des neben mir sitzenden… Ich zucke immer richtig zusammen- habe ich jetzt getreten? War das zu feste? War das jetzt überhaupt schlimm oder vielleicht wurde es nicht bemerkt? ICH habe es aber bemerkt, ganz deutlich. Vorsichtshalber entschuldige ich mich immer, und ich habe dafür schon oft verwirrte Blicke bekommen- „Aber… Du hast mein Bein doch bloß berührt?“ Ich tue es dann immer mit einem Lachen ab, so als wäre es für mich tatsächlich nichts gewesen.
Menschen berühren sich nun mal einfach.
Aber weil ich zusätzlich immer für mich analysieren muss- war das ein Versehen? War das von meinem Gegenüber mit Absicht? Welche Absicht steckt dahinter? Denkt der andere sich überhaupt etwas dabei?- fällt mir das Berühren immer schwer.
Nicht in der Familie, natürlich. Kinder und Mann dürfen das- wenn auch nicht im Gesicht. Da muss ich schon gut drauf sein, dass mir jemand ans Gesicht darf.
Bei Freunden, die ich gut kenne, kann ich es auch mittlerweile schaffen, Berührungen „auszuhalten“. Ohne es schlimm zu finden.
Das heisst, schlimm finde ich es ja auch sonst nie. Ist mir immer nur zu viel Analyse und zu kompliziert. Vermeiden ist wie immer einfacher 😉

Was ich aber tatsächlich richtig, richtig schlimm finde ist kitzeln, vor allem überraschend. Viele finden das ja extrem lustig, wenn ich durch meine Berührungsempfindlichkeit laut quietschend aufspringe. Dabei finde ich das gar nicht lustig. Durch die überraschende Berührung zuckt alles in mir so zusammen, dass es mir fast weh tut. An einem TasseVollTag kann das sogar zu richtigen Wutausbrüchen führen. Kind2 hat das mal an eigenem Leibe miterlebt, und es hat ihr vorübergehendes Kuschelverbot im Elternbett eingebrockt. Ein Freund, der mich immer gekitzelt hat, hat irgendwann ständig von mir gegen das Schienbein getreten bekommen wenn er mich gekitzelt hat (Was aber nix genützt hat… er fand es zu lustig…) (JAAA, ich meine Dich!!!! 😉 ). Auch Kitzeln kann ich äußerlich mit einem Lachen abtun- wenn es nicht zu oft passiert- aber es kann die Tasse extrem schnell voll machen. Hauptsächlich auch durch die innere Anspannung- Ich erwarte dann ständig, nochmal gekitzelt zu werden.
Gekitzelt zu werden kann man leider selten vermeiden, denn wenn man normalerweise sagt „Das tut mir weh!“ dann glaubt einem das eh niemand. Kitzeln tut doch nicht weh, das ist lustig!
Oh. Abgedriftet. Nunja, egal, hab ich jetzt aufgeschrieben, wisst ihr jetzt, ne? 😉

Smalltalk/ Floskeln üben-
Ist schwer für mich, wird aber benötigt. Nämlich um Kontakte zu knüpfen. Hört sich ja hier immer so an als würde ich mich von jedem Lebewesen fernhalten, um keine Sozialkontakte zu haben. Stimmt aber nicht, ich würde gerne locker flockig auf Leute zugehen können und reden, ich kann es nur nicht so ohne weiteres. In meinen Sondierungsrunden habe ich mir andere Leute beim Smalltalk angesehen- bzw angehört. Was sagt man? Wie lange redet man? Woran merkt man, dass der andere jetzt fertig ist mit Smalltalk? Für mich habe ich herausgepickt: Kinder, das Wetter, „Ich mache jetzt gleich…“,.
Kinder als Thema ist ja super für Kindergarten und Schule- wenn die Kinder dann mal größer sind muss ich mir wohl was anderes aussuchen. Wetter geht immer, denn es ist ja immer welches da. Meist ist es allerdings das falsche, das kann man dann ausdiskutieren. Man MÖCHTE über das Wetter meckern, es interessiert die Leute nicht, ob ich es WIRKLICH schlimm finde dass es endlich mal wieder regnet, oder nach langem Reden die Sonne sofort wieder zu HEISS scheint. Das musste ich erst mal lernen. „Ich mach jetzt/gleich“ eignet sich für überall unterwegs, sagen wir mal beim Supermarkt vor dem Käseregal. Wenn ich da jemanden treffe, der auf Smalltalk aus ist (und der jenige nicht schon ein Thema vorgibt), dann sage ich Dinge wie „Hab ich doch tatsächlich beim letzten EInkaufen den Käse vergessen, da muss ich jetzt schnell noch etwas kaufen!“ oder wasauchimmer ich grade mache. Kurzes Statement darüber was ich vor habe, kurzes Austauschen mit der Smalltalkoerson, und schnell weiter („Ich hab noch nen Termin!“). Wenn man sich oft genug in solchen Situationen getroffen hat, hat man auch irgendwann vielleicht mal ein echtes Thema.
Oh, und auf „Hallo, wie gehts?“ möchte niemand als Antwort die Wahrheit hören, es sei denn die Antwort lautet „Danke, gut!“. Bis ich DAS mal herausgefunden hatte…

Hm, irgendwas war noch… das hab ich aber vergessen. Vielleicht fällt es mir ja noch ein, dann gibt es noch Teil 3 ^^

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6 Gedanken zu “(Über)leben in der Welt der anderen, Teil 2

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