„Bist Du Sicher..?“

Manchmal, wenn ich Freunden, die noch nix vom potentiellen Aspergerdings bei mir wissen, erzähle was los ist, kommen verwunderte Fragen. Eine Freundin meinte: „Ja, aber ihr fahrt oft auf große Mittelaltermärkte? Wenn Du Aspie wärst, dann würde Dir das doch schwer fallen? Bist Du sicher dass Du dich da nicht vertust?“

Sie hat ja recht, zumindest mit den Veranstaltungen! Ich gehe sehr ungerne zu Besuch auf Mittelaltermärkte. Die sind oft voll und laut, was ich ja nicht so gerne mag.

Aber. Wenn wir auf Märkte fahren, dann tun wir das ja nicht als Besucher, sondern als Aktive. Wir haben unser Lager, und somit unser Zuhause dabei. Auch, wenn die Aufstellung immer etwas variiert, Grundsätzliches ist immer dabei. Ein Sonnensegel, Tische, Bänke. Zelte um sich zurück zu ziehen. Es ist mein sicherer Hafen.

Auch, wenn wir nicht, wie andere Gruppen, unser Lager gegen „Eindringlinge“ mit Absperrungen schützen, ist es für die Meisten klar, dass das unser Raum ist. Manche kommen rein und gucken, sehr wenige sind auch penetrant und nerven. Aber die kann man dann ja herauskomplimentieren 😉

Ich kann mir aussuchen- stürze ich mich ins Getümmel oder bleibe ich im Lager und bin „Dekorativ“?  Wenn viel los ist, dann bleibe ich einfach im Lager. Kochen, Handarbeiten machen und sogar *hüstel* langweilige Dinge wie Messer schärfen in Gewandung wird von Besuchern gerne angesehen. Wenn jemand etwas wissen möchte gebe ich antwort, unterhalte mich vielleicht auch mal. Ich stelle ja schließlich auch etwas dar. Eine Rolle, die ich spielen kann! Prima!

Wenn dann weniger los ist kann ich mich auf den Markt „trauen“ und gucken. Ich mag den Markttrubel ja schon gerne, aber ich mag mich auch zurückziehen können, wenn ich genug habe.

Wenn ich zu Besuch auf einem Mittelaltermarkt bin, dann habe ich so einen Rückzugsort nicht. Manchmal kann ich mir einen bauen, indem wir einen simulieren- ein Umhang auf einer Wiese, da ist jedem Klar, dass das „mein“ Platz ist. Aber bei Regen , wenn man sich vielleicht noch irgendwo unterstellen muss, oder an überfüllten Tischen sitzen, dass macht mich sehr schnell unruhig.

Bei anderen Großveranstaltungen ist es ähnlich. Früher war ich oft auf riesigen Metalfestivals. Wenn ich mitten im Getümmel stand, wartend darauf, dass die nächste Band spielt, fühlte ich mich in den enormen Massen an Menschen absolut verloren und kribbelig. Ich habe mir immer gedacht, dass es das nicht ist, was mache ich da bloß? Warum denke ich da vorher nie dran, dass Menschenmassen nicht mein Ding sind?

Aber dann begann die Musik, und ich war einfach nur glücklich. Es war so laut, dass man eh nicht kommunizieren konnte, Ohrstöpsel taten ihr weiteres. Die Musik war überall, man hat sie nicht nur mit den Ohren gehört sondern mit dem ganzen Körper. Großartig!

Und wenn wir dann fertig waren, dann gingen wir wieder zurück zum Zeltplatz. Zu unserem Lager, dem sicheren Hafen. Das gleiche wie bei Mittelaltermärkten. Ein paar Zelte im Kreis, in der Mitte ein Platz zum sitzen, und fertig war das temporäre Heim.

Große Veranstaltungen gehen also, wenn das Thema stimmt ^^ Ich brauche „nur“ ein paar Voraussetzungen, dass ich es schaffen kann, dann wird es schon. Overload gibts meist natürlich trotzdem, aber besser auszuhalten!

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„Bist Du Sicher..?“

Tapferes Töchterlein

Heute war in der Kleiderbörse nicht genug Hilfe da, also bin ich nachmittags da geblieben, obwohl meine Schicht morgens war. Kind2, die nach der Schule zu mir kam, musste wohl oder übel ebenfalls bis zum Ende bleiben.

Gut, dass ich mich in einen Overload schieße war mir schon vorher klar. Will auch nicht jammern, bin ich selber Schuld ^^

Aber als wir zu Hause ankamen war Kind2 zu nichts mehr zu gebrauchen.Mein Tageskind war auch noch da, aber Kind2 konnte nicht mehr spielen. Also habe ich für die beiden  einen Film angemacht.

Nach dem Film gab es Abendessen. Kind 2 fragte mich, ob es schlimm sei, wenn sie jetzt eine Sonnenbrille tragen müsse, weil das Licht so hell sei. Weil es mir grade genau so ging gab ich ihr die Brille sofort, und dazu noch eine Schirmmütze, weil die Sonnenbrille nicht dunkel genug war. Nach dem Essen bat sie dann, direkt ins Bett gehen zu dürfen (Und exklusive Mama-Kuschelzeit genießen zu dürfen, weil Kind3 noch nicht von seinem Freund zurück war)

Kind2 ist durch diesen anstrengenden Nachmittag also ganz genau wie ich in einem Overload gelandet, aber sie hat instinktiv gute Strategien gefunden, um damit fertig zu werden. Dadurch hat sie es tatsächlich geschafft einem sonst bei ihr typischen Meltdown zu entgehen, und wir hatten trotz allem einen (soweit es möglich war) ruhigen Abend.

Bin ganz schön stolz auf die Maus! (Und muss jetzt schlafen gehen. Sowas von Overload… o.O )

 

Tapferes Töchterlein

Kann ja auch mal glatt laufen…

Kind2 hatte heute Elternsprechtag- das heißt natürlich, ICH hatte Elternsprechtag. Ich war etwa 10 Minuten zu früh, denn wir haben eine Baustelle vor der Tür bei der es immer echt unsicher ist, ob man JEMALS über die Straße kommt- aber es ging erschreckend schnell. Äh, egal.

Ich wartete also die 10 Minuten vor dem Klassenraum, aber es als dann Zeit wurde, dass mein Termin beginnen sollte und niemand kam, wurde ich ganz schön unruhig. Bisher waren Elternsprechtage doch IMMER im Klassenraum!

Bisher waren Elternsprechtage aber auch noch nie beim Konrektor der Schule, der ein eigenes Büro hat…

Ich ging also runter, mittlerweile waren es schon 3 Minuten nach dem Termin… aaaaaaaaahhhh, ich bin zu spät, ich werde den Termin verpassen, die Welt wird untergehen!!!!!!! (Also, gefühlt. Und Mindestens.)

Ich fragte am Lehrerzimmer ob der Lehrer da sei, und ob er vielleicht im Gespräch sei? – Wisse man nicht so genau, Tür sei zu, also vielleicht ja? Ich wolle einfach mal draußen im Warteberich warten, der Lehrer sei für seine Gewissenhaftigkeit bekannt, er würde mich schon nicht vergessen. Kein Problem, ich hatte ja was zu Lesen dabei! (was ich aber vor lauter Aufregung und Kindergeschrei um mich herum kaum entziffern konnte. Egal: Hauptsache etwas Ablenkung.)

5 Minuten, nachdem mein Termin vorbei gewesen wäre ging die Tür auf, eine Mutter kam heraus und entschuldigte sich, dass es zu spät geworden sei, es wäre doch mehr zu besprechen gewesen. Kein Problem, sagte ich ihr- und das meinte ich auch so, denn ich bin ja froh, wenn ICH nicht zu spät bin, ich warte lieber als dass ich zu spät bin ^^

Und dann war ich dran.

Der Elternsprechtag war hauptsächlich dazu da, die Eltern zu informieren, wo das Kind so Leistungsmäßig grade steht. Und es stellt sich heraus, dass das Kind in der Schule wirklich gut mitkommt, soweit saubere Heftführung, also brauchbar, wir können sie also behalten 😉

Der Lehrer nannte aber auch Probleme, die sie hat- immer mal wieder versteht sie die einfachsten Aufgaben nicht, manchmal scheint es so als könne sie nicht zuhören, sie kann Texte gut erzählen, hat aber Schwierigkeiten damit eine zusammenhängende Geschichte aufzuschreiben.

Weil ihre Probleme alle so typische Aspergerdinger waren habe ich einfach mal ganz spontan erwähnt, dass es vielleicht sein kann, dass Kind2 im Autismusspektrum anzusiedeln ist, und habe kurz erklärt wie wir auf den Verdacht kamen. Ich war etwas angespannt, denn genau das ist bei einer Lehrerin des großen Sohns ja schon mal so richtig schief gelaufen.

Nicht aber beim Lehrer von Kind2. Er war sehr interessiert an der Information, und als ich von den typischen Schwierigkeiten berichtete machte er sich sofort Notizen und murmelte vor sich hin, was er für sie verbessern könnte- zum Beispiel Anweisungen in kleineren Schritten und nicht alles auf einmal. Er bedankte sich auch für die Information, und ich war wirklich erleichtert, dass das so gut gelaufen ist.

Und jetzt bin ich gespannt wie es weiter geht- aber es war ja schon mal ein guter Anfang =)

Kann ja auch mal glatt laufen…

Der Schrank unter der Treppe

Weil Kind1 in den letzten Tagen mehrere Meltdowns hatte, habe ich ihn einfach in den Keller gesperrt, damit er nicht mehr so nervt.

Nein. Natürlich nicht. (!!!)

Aber weil Kind1 tatsächlich mehrere Meltdowns hatte und er sich einfach nicht mehr zu helfen wusste, habe ich mir gestern überlegt, was ich für ihn tun kann, damit er Ruhe findet. Sein Zimmer liegt nämlich direkt neben dem gemeinsamen Zimmer von Kind2 und 3, und wenn die beiden zusammen spielen sind sie, wie alle Kinder, nicht leise dabei.

Geht es Kind1 gut, dann stört ihn das nicht weiter, hat er Tasse-Voll-Tag reicht ein Lachen der Geschwister und es ist Holland in Not.

Er versuchte nun, sich zurückzuziehen. Erst in sein Zimmer, weil wir ihm alle zu laut waren hier unten. Dann gingen die beiden jüngeren Kinder oben spielen, und Kind1 kam brüllend runter. Brüllende Kinder kann nun aber ICH nicht so gut ertragen, und legte ihm ans Herz, Ohrstöpsel zu tragen, so dass die spielenden Kinder ihn nicht mehr stören- aber das ging nicht. Tasse-Voll-Tag bedeutet auch, dass die Ohrstöpsel stören und weh tun. Großes Dilemma.

Ich empfahl ihm, ins Elternschlafzimmer zu gehen mit seinem Buch, aber die Wände zum Wohnzimmer sind zu dünn, und das Kinderzimmer mit den schreienden spielenden Kindern liegt genau darüber. Alles scheiße, viel Gebrüll, viel Sachen zerschlagen. Mööp.

Eigentlich blieb als Zufluchtsort nur noch der Keller, denn der ist weit genug von allen störenden Kindern weg. Der Keller ist allerdings nicht sonderlich gemütlich, also musste ich erst mal etwas herrichten. Zuerst dachte ich daran, ihm eine Ecke im großen Kellerraum zu machen, aber das wäre dann im Zweifelsfall nur im Weg gewesen, wenn man an die Kisten im Keller heran gemusst hätte. Dann fiel mir ein, dass ich vor einiger Zeit die Fläche unter der Kellertreppe ausgeräumt hatte. Da ist ein kleiner… Raum, der bisher als Abstellkammer diente. Jetzt war er fast leer.

Ich bedeckte den Boden mit Holz-Terrassenplatten, die wir noch hatten, legte einen Teppich darauf, deckte die Wände mit Holzbrettern und darüber Teppichen ab, fixierte die Bretter mit einer Matratze, stellte ein Tischchen, decken und Kissen hinein- und fertig ist die Fluchtecke.

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Was auf dem Bild noch halbwegs Idyllisch aussieht ist in echt aber tatsächlich nur ein ziemlich hässliches Kellerloch mit teilweise unverputzen Wänden. Die Bretter und Teppiche an den Wänden sollen verhindern, dass man sich oder die Matratze schmutzig macht, weil der Putz bröselt. Hübsch ist anders, und wenn man „gemütlich“ mit „sieht schön aus“ gleichsetzt ist es …nunja, nicht gemütlich ^^

Cupboardunderthestairs02

Kind1 aber war Feuer und Flamme für sein neues, geheimes Kellerloch- seine Geschwister werden es zwar sicherlich finden, aber erst mal ist es noch ein Geheimnis! Außerdem:Ein Schrank unter der Treppe! Wiebei Harry Potter!!! (Ich hoffe, er vergleicht nicht den Gatten und mich mit Tante Petunia und Onkel Vernon!!!)

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Um sich besser zu tarnen kann er das Lattenrost des Gästebettes, das uns die Matratze geliefert hat, vor seine Höhle ziehen und niemand kann ihn- auf den ersten Blick- sehen

Cupboardunderthestairs04Kind1 ist so begeistert, dass er sich den eReader geschnappt, sich in der Höhle verkrochen  und in Ruhe unter Decken und Kissen vergraben gelesen hat. Nach zwei Stunden kam er wieder hoch und meinte, er hätte sich beim Lesen so dermaßen in sein Buch weggebeamt, dass er gar nichts mehr anderes gemerkt hat, und wie, er war ZWEI STUNDEN da??? ^^

Irgendwann, wenn mal Zeit dafür da ist, werden wir das Kellerloch in eine nicht mehr ganz so ungemürliche Höhle umbauen, aber fürs erste ist das schon mal nicht schlecht!

(Kind1 fragte schon, ob es Assassins Creed und Minecraft Poster da aufhängen darf 😉 )

Der Schrank unter der Treppe

Liste von Charakterzügen bei Aspergerfrauen

Das Aspergersyndrom bei Frauen und Mädchen unterscheidet sich ja (meist) von dem bei Männern und Jungs. Wenn man Fachliteratur liest, dann erfährt man hauptsächlich etwas über Jungs und Männer, weil es dazu mehr Forschung gibt. Dass es bei Mädchen und Frauen anders, auch unauffälliger ist, ist erst in den letzten Jahren ins Bewußtsein gerückt.

Über den Blog von Fuchskind habe ich eine Tabelle von Charakterzügen bei weiblichen Aspergern gefunden. Und natürlich gleich mal mit mir verglichen- wen überrascht es noch groß dass sehr viel passt…? Niemanden!  Aber nicht alles passt, natürlich, denn jeder ist ja unterschiedlich.

Ich habe mal alles, was zu mir passt, mit einem roten Punkt versehen, und es ist jetzt tatsächlich ziemlich rotgepunktet… (Klick macht groß!)

Edit: Ich habe irgendwie gar nicht alles gepunktet und im Nachhinein noch Sachen gefunden, die passen- deswegen steht da jetzt eine neugepunktete Tabelle, aber unten im Text steht nicht noch mehr dazu, weil ich zu faul bin ^^

list of female asperger syndrome traits

Und weil ich ich bin, muss ich alles noch kommentieren ^^

Erste Spalte:

Punkt eins: Check. Unbequeme Kleidung geht nicht. Ich habe deswegen keine Schuhe mit höheren Absätzen, zum Beispiel, auch wenn ich sie eigentlich schön finde. Ein Paar habe ich mal besessen, das haben die Kinder mittlerweile zum Spielen.

Punkt zwei: Waschen, Deo, anziehen, kämmen, feddisch. Meist ist es bloß ein Pferdeschwanz oder ein …Haarknubbel/Duttdings, das ich mir dann mache. Schminken hin und wieder, ganz selten, aber nie für den Alltag. Ist auch unpraktisch, denn sobald ein Haar in mein Gesicht kommt muss ich wischen, zur Seite streichen. Schminke verschmiert seeeehr schnell dabei.

Punkt drei: „Youthful for her age“, auch bekannt als „kindisch“. Auch von der Kleidung her eher jünger. Aber nur modern, wenn die Mode sich mir anpasst ^^ (was hin und wieder tatsächlich mal passiert ist!!- sozusagen…)

Punkt vier: Ich HABE verschiedene Gesichtsausdrücke, auch wenn ich manche nicht intuitiv mache, sondern überlegen muss, was angemessen ist. Handgesten habe ich eine MENGE ^^ ich fuchtele gerne wie wild mit den Händen herum beim Reden.

Punkt fünf: Finde ich jetzt besonders lustig, das hier zu lesen, das kam etwas überraschend. Aber es passt! Als ich in eine WG mit zwei Kerls ziehen wollte war der eine erst nicht sicher, dass er ne FRAU in der WG haben will- die benehmen sich doch immer so weibisch. Ich „durfte“ dann doch, und es stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine Diva bei uns gab- das war aber nicht ich, sondern er. „Eigentlich bist Du ja mehr so wie ein Kerl“ sagte er einmal, und ich fasste es als das Kompliment auf, als das es gemeint war. Wir kamen gut miteinander aus, auch, weil ich ihn einfach Diva sein ließ.

Punkt sechs: „Very chameleon-like“ kann man meine Verkleidungen nennen, die ich mir immer so aussuche. Ich bin so, wie es grade passt. Eine Identität habe ich aber langsam gefunden, das liegt aber vermutlich einfach daran, dass man doch älter und reifer wird mit der Zeit 😉 (Offensichtlich sogar ich 😉 )

Punkt sieben: Definitiv Filme und Bücher, Science Fiction und Fantasy. Und mein Zufluchtsort ist Harry Potter!

Punkt acht: Kann ich unkommentiert so stehen lassen 😉

Zweite Spalte:

Erster Punkt: Schüchtern, sehr. Und ich habe sehr große Schwierigkeiten mit Zahlen, die kullern mir irgendwie immer aus dem Kopf. Ich muss sie aufschreiben um sie zu behalten, und ich muss Hilfsmittel nehmen um es mir zu verdeutlichen.

Zweiter Punkt: Ich habe ein sehr gutes Gehör für Töne und kann einen gehörten Ton exakt wiedergeben. Nicht immer auf Anhieb, aber ich finde ihn sehr schnell (kann also auch ganz passabel singen) und kriege bei schrägen Tönen Gänsehaut 😉 Künstlerisch bin ich auch recht begabt und sehe viele Details, die ich dann ganz gut in verschiedenes umsetzen kann. Leider sehe ich auch viele Details bei dem was ich so male/zeichne/bastele/nähe, und kleine Fehler machen dann schon mal, dass ich alles in die Ecke schmeiße, weil ich nicht gut genug bin.

Dritter Punkt: Das ist eigentlich nur ein halber Punkt, weil ich nur Erziehungsdinger gemacht habe. Warum ich das trotzdem mit rein nehme ist, weil es sich auch auf andere Interessen anwenden lässt. Ich habe phasenweise Interessen, die in alles in meinem Leben überschwappen. Ich mache dann nichts anderes und konzentriere mich komplett darauf. Sogar Pause machen vergesse ich, oder etwas essen oder trinken. Dann, irgendwann, ist es vorbei, und es kommt irgend etwas komplett anderes. Praktisch war die Phase, in der ich extrem gerne gekocht habe- DA habe ich das Essen nicht vergessen ;.) Aber beim SItzen an der Nähmaschine war dann manchmal plötzlich schon der nächste Tag, und ich hab nix gegessen, nicht getrunken, und geschlafen sowieso nicht.

Vierter Punkt: Ich habe noch nicht viel „woanders“ gearbeitet, aber ich habe schon Stress, wenn ich daran denke, mit fremden Menschen umgehen zu müssen. Alleine das Bewerben war immer die Hölle.

Fünfter Punkt: Vielleicht nicht highly intelligent, sondern nur normal intelligent, aber nicht dumm. Aber immer mal wieder Schwierigkeiten damit, was mein Gegenüber mir sagen will. In Umgebungen mit vielen Reizen muss ich mir manchmal die einfachsten Sachen erklären lassen (wenn ich ich traue zu fragen, was nicht sooooo oft der Fall ist. Sonst lächele ich und nicke bloß…), und um nicht doof auszusehen lache ich und sage: „Ach, ich dachte ich hätte es falsch verstanden, aber war doch alles richtig!“ 😉

Sechster Punkt: Bei mündlichen Anweisungen kommt oft nicht alles an, und ich muss recht häufig nachfragen. Diagramme sind hingegen super, da kann ich mir alles merken. Wenn das nicht geht, dann reicht manchmal aufschreiben. Aber Bilder sind am besten! Das hat auch Vorteile: Ich kann mir ein Bild angucken, und weiß was zu tun ist, ohne die Anleitung zu lesen, weil ich das Bild lesen kann. (Zugegeben, das kann auch mal schief laufen… 😉 )

Siebter Punkt: Obsessions, definitiv. Wie gesagt, ich hatte Kochen, Nähen, dann auch  Malen, Musik hören, Serien/Filme gucken, Mittelalter, lesen….. Alles keine Sachen, die zu sehr auffallen (vielleicht noch das Mittelalterhobby), aber die Häufigkeit und die Intensität sprengen dann immer gerne den Rahmen, weil dann nicht viel Platz für anderes ist.

Dritte Spalte

Punkt eins: Ich reagiere oft genau so patzig wie meine Kinder, mit kindischen Äußerungen und Verhalten. Das merke ich dann, und werde sauer auf mich selber, was es nicht besser macht. Ziemlich unreif, leider.

Punkt zwei: Über Gefühle und emotionale Dinge reden kann ich zwar nicht so gut, aber offensichtlich kann ich darüber schreiben 😉 Vieles, was ich hier schreibe, würde ich in einem „echten“ Gespräch vermutlich nie sagen. Das kommt nicht aus dem Mund heraus, irgendwie. Bei guten Freunden schon eher mal, und wenn ich weiß, dass die das hier gelesen haben, dann kann ich es schon mal als gegeben voraussetzen und dazu etwas sagen. Das wars dann meist aber auch schon.

Punkt drei: Sensorische Reize nehme ich ziemlich schnell auf, Lärm, Licht und Berührungen sind am schlimmsten. Geruch ist nicht mehr so schlimm, seitdem ich sehr oft Nasennebenhöhlenentzündungen hatte, die haben glaube ich meinem Geruchssinn geschadet. In Parfümerien oder in die Duftkerzenabteilung bei Ikea kann ich aber trotzdem nicht. Und Overloads haben kann ich, herzlichen Dank.

Punkt vier: Ich habe tatsächlich Probleme mit dem Magen… (und lasse das so hier stehen ^^)

Punkt fünf: Ich habe verschiedene „stimmings“  (lustig, wenn Dinge, die man so tut, plötzlich einen Fachausdruck bekommen 😉 ) bei eher negativer Aufregung. Früher habe ich immer mit den Zehen gewackelt, dicker Zeh an den „Zeigezeh“ gerieben, bis die Stelle taub war, und noch weiter (dann hat es aber weh getan). Das mache ich manchmal immer noch, aber ich habe festgestellt, dass es mir besser geht, wenn ich Daumen, Zeige- und Mittelfinger aneinander reibe (was ich aber auch mache wenn ich positiv aufgeregt bin, und manchmal einfach nur so weil es grade gut tut), oder, wenn es schlimmer ist, die Hände relativ schnell drehen, „wie das Fähnchen auf dem Turme“, aber etwas hinter dem Rücken versteckt. Wenn es RICHTIG schlimm ist klopfe ich mir mit der Hand auf die Brust, aber das ist zum Glück wirklich, wirklich selten. (denn da sieht man einfach zu seltsam aus, kann aber grade nix gegen tun…). Manchmal hilft auch Musik- wenn ich grade explodieren könnte, dann hilft es, ein bestimmtes Lied ganz laut zu hören und dabei herumzuspringen. Zwei, drei mal hören, und mir geht es besser. Das geht aber nur, wenn ich grade Geräusche ertragen kann, also noch nicht zu viel Geräuschinput am Tag hatte.

Punkt sechs: Wenn es mir gut geht und ich mich freue, dann springe ich sofort herum und flattere mit den Händen wie ein Vogel, oder ich klatsche. Wenn ich so richtig übermäßig froh und aufgeregt bin, dann renne ich auch schon mal Kilometer im Wohnzimmer auf und ab, springe zwischendrin. Flattere manchmal zusätzlich. Sich „stimmen“, so habe ich gestern gelernt, tut man aber auch, um seinen „Ruhezustand“ zu erhalten- der Zustand in dem man weder positiv noch negativ aufgeregt ist, der für Autisten quasi Glückseligkeit ist, weil man da fast „normal“ ist 😉 (grobe Übertreibung…) Und das mache ich tatsächlich auch. Wenn es mir ganz gut geht, dann mache ich mir ein Lied an und höre es, singe es mit. Tagelang, wenn die anderen Pech haben auch Wochenlang. Das jeweils aktuelle „Lieblingslied“ singe ich dann, und mir geht es gut. Aber auch das geht nicht, wenn ich grade sehr geräuschempfindlich bin.

Punkt sieben: Temper Meltdowns… oooh jeee…. die kann ich… Bin manchmal ein echter Wüterich… Selten bis nie in der Öffentlichkeit. Zum Glück.

Punkt acht: Jep. (Nix hinzuzufügen)

Punkt neun: Zum Glück nicht komplett Mutistisch, mit großer Anstrengung KANN ich reden. Dann aber oft nur hingebellte Worte, kurze Sätze. Aber auch das passiert nur, wenn es richtig schlimm ist (Brustklopf-Schlimm). Zum Glück. Töchterchen hingegen kann manchmal gar nicht sprechen, das muss schlimm sein für sie!

Vierte Spalte:

Erster Punkt: Weil mir das früher so oft passiert ist habe ich es mir angewöhnt, vieles in einfachen Sätzen zu sagen, denen dann massiv verschachtelte Erklärungen nachfolgen, so dass ich über Pipifax Monologe halte…Und hinterher ist vor lauter Monolog auch nicht immer klar was ich eigentlich sagen wollte… (Nichts sagen ist wirklich, wirklich einfacher… und die Monologe passieren immer dann, wenn ich versuche aus mir heraus zu gehen und halt doch etwas zu sagen… 😉 Sehr erfolgreich, also…)

Zweiter Punkt: Ich sage ja, nichts sagen und unauffällig bleiben liegt mir am meisten!

Dritter Punkt: Hervorzuheben sind hier die „small doses“. Mit wenig Leuten kann ich sprechen und sozialisieren, in großen Gruppen bin ich oft geflasht und sowieso weggebeamt, also sage ich da auch nix. Das Wegbeamen ist glaube ich sowas wie das mit dem „will shut down“ aus der Tabelle, ich bin dann nicht mehr da und funktioniere nicht mehr richtig.

Vierter Punkt: Jo. Isso. Allerdings auch schon mal mit guten Freunden.

Fünfter Punkt: Ich habe mittlerweile einige Freundinnen, mit denen ich aber nicht so oft „Shoppingtouren“ mache. Am liebsten sind mir „Kaffeetrinken“ Runden, und am allerliebsten da, wo es ruhig ist. Aber „girly things“ mache ich mit Frendinnen eher selten.

Sechster Punkt: Sensory issues und Sex. Tja, ich könnte ein ganzes Kapitel darüber schreiben, traue mich aber nicht ^^ Vielleicht, ganz vielleicht, mit Passwort, das aber dann nur ausgewählten Frenden gegeben wird… oder vielleicht auch gar nicht, und ich schreibe es nur für mich auf?  Weiß ich noch nicht.

Siebter Punkt: Ich will gar nicht darüber nachdenken WIE peinlich ich schon diesbezüglich war, das treibt mir immer noch die Schamesröte ins Gesicht… Und mehr hört ihr zu diesem Thema nicht von mir ^^

So, das wars! Einmal abgearbeitet. Ganz schön viel geworden …

Liste von Charakterzügen bei Aspergerfrauen

Man lernt ja immer neues…

Gestern habe ich mich durch verschiedene Blogs gelesen, die von oder über Autisten geschrieben wurden, also Leute mit Autismus oder Eltern von Kindern mit Autismus. Auf der Suche nach Erfahrungen von anderen, nämlich. Auch wenn wir überall sind ist es doch schwer, „passende“ Erfahrungen zu finden.

Nunja, lange Rede kurzer Sinn: Sehr erfolgreich war ich nicht.

Aber während ich verschiedenes quergelesen habe bin ich über ein Wort gestolpert: Hyperlexie.
Davon hatte ich noch nie gehört, und bevor ich voreilige Schlüsse über die Bedeutung zog (Klingt Hyperlexie nicht wie Hyper- also besonders extrem viel, und Lexie- also Lesen?? 😉 Also extrem viel Lesen- sowas ist doch mal ne gute Sache ^^) also befragte ich Tante Google, und bekam die Wikipediaseite als Antwort.

Und Wikipedia sagte mir, grob in eigenen Worten zusammengefasst: Hyperlexie tritt schon bei sehr kleinen Kindern auf und beschreibt das verstärkte Interesse an Buchstaben und Zahlen. Kinder mit Hyperlexie lernen früh lesen und bringen es sich
oft auch selber bei. Das frühe Lesen sollte man aber nicht mit besonders gutem Sprachverständnis verwechseln, denn auf kommunikativer Ebene würde es damit hapern. Außerdem ist Hyperlexie ein frühes Anzeichen für das Aspergersyndrom.

Ich musste erst mal lachen, denn DAS kam mir alles sehr bekannt vor.

Kind1 war als Kleinkind wirklich völlig fasziniert von Buchstaben. Als er zwei war bekam er eine große Kiste Magnetbuchstaben zu Weihnachten, was für ihn das größte Glück auf Erden war. Wir schnitten zusammen Buchstaben aus Zeitungen aus die er sammelte, er wies mich auf jedes Geschäft hin, das große Buchstaben über der Tür hatte- also jedes. Er konnte Einkaufswagen von verschiedenen Geschäften am Schriftzug erkennen -sicher auch an den Farben und den Logos, aber er „bewies“ mir auch dass es ein Aldiwagen war, in dem er mir die einzelnen Buchstaben in der richtigen Reihe vorsagte. Die er auf dem Kopf stehend sah, weil er im Kindersitz des Einkaufswagens saß, er war ja noch ganz klein.

Ständig wollte er wissen wie man dieses oder jenes schreibt, und ich legte es ihm mit seinen Magnetbuchstaben. „Aber Du bist ja noch klein, Du musst das noch nicht selber können!“

Als Kind1 dann grade 5 geworden war saßen wir eines Tages am Frühstückstisch, und er sagte plötzlich sehr gedehnt: „Friiiiiiiische feeeeeeeeettarme Miiiiiiiiilch“.
Stille am Tisch.
Ich fragte: „Kind1, warum sagst Du das?“ denn wir sprechen immer nur von „Milch“, nicht von frischer fettarmer Milch. Wäre ja auch lästig- „Kannst Du mir mal bitte die frische fettarme Milch herüberreichen?“ ist deutlich länger als „Ey, gibma Milch“

„Das steht hier auf der Milchtüte- Mama, was heißt „fettarm“? “

Und das war dann der Anfang vom lesenden Kind1. Er fing an, Babybücher mit wenig Text zu lesen, ging irgendwann zu Pixibüchern über.
Dann kam er in die Grundschule.
Eines Morgens war er krank, hat sich übergeben. Kind2 war aber gesund und sollte in den Kindergarten. Kind1 ließ ich zu Hause mit der Aufforderung, in der Zeit doch etwas zu lesen- ein sich übergebendes Kind konnte ich unterwegs nicht brauchen, und er sollte die Zeit sinnvoll verbringen.

Als ich nach Hause kam- 25 Minuten später etwa- hatte er alle fünf Erstleserbücher, die ich ihm für den Tag hingelegt hatte, durchgelesen.
Das kann er doch niemals wirklich gelesen haben, der veräppelt mich doch! dachte ich, und stellte „Prüfungsfragen“ , indem ich die Bücher irgendwo aufschlug, kurz las und fragte was da passiert sei. Wusste er alles. Krass. (Und wir hatten die Bücher nie zuvor zusammen gelesen, weil sie ganz neu waren)

Im weiteren Verlauf des ersten Schuljahres las er dann „mal eben“ den ersten Band der Harry Potter Reihe.

Und dann lerne ich gestern das Wort „Hyperlexie“.
Ich habe so das Gefühl, das passt ^^

(Nicht dass es irgendwas ändern würde, es ist nur wieder eine weitere Bestätigung dessen, was wir schon wissen. ABER man hätte es vielleicht vorher wissen können? Egal. Hätte, hätte Fahrradkette. Jetzt weiß ich es ja 😉 )

Man lernt ja immer neues…

Bullying

Ein englisches Wort, dass so langsam auch im deutschen Sprachgebrauch Einzug hält und ja im Grunde hänseln und quälen bedeutet. Also immer auf die Schwachen.

Asperger sind Aufgrund ihrer oft sehr eigenen Art gerne mal das empfangende Ende. Das ist so sehr ein Problem, dass Tony Attwood in seinem Buch „Ein Leben mit dem Aspergersyndrom“ schon sehr weit vorne in einem eigenen Kapitel darauf eingeht.

Die letzten Wochen kam Kind1 oft sehr gereizt nach Hause und schimpfte über den „nervenden“ Nachbarsjungen und seinen gerinfügig weniger nervenden größeren Bruder. Die würden nämlich ständig Lügen über unsere Familie erzählen, außerdem würden sie ihn Baby nennen, und ihn damit aufziehen, dass er „wie ein Mädchen“ rennt. Lauter Sticheleien, die ihm so langsam aber Sicher zu viel wurden.
Wir sprachen häufiger darüber, und suchten nach Lösungen.
Er sollte klar und deutlich sagen: Lass mich in Ruhe! und Ich setze mich woanders hin weil ich nicht mit Dir reden möchte!

Aber die Jungs wollten mit ihm/über ihn reden, setzten sich zu ihm, und piesackten weiter. Keine klare Ansage half.

Gestern kam Kind1 weinend zu Hause an, weil er nicht mehr wußte was er noch tun kann- er wurde immer weiter und weiter geärgert. Dann bekam er einen Wutanfall in dem er wieder alles kaputt hauen wollte und gegen Stühle und Tische trat.
Ich schaffte es nach einiger Zeit ihn zu beruhigen. Wir sprachen wieder darüber, und wir einigten uns darüber, dass ich den Eltern bescheid sagen sollte. Aber bloß nicht sofort, Kind1 wollte weit weg sein, und die Nachbarsjungs sollten es erst mal nicht mit anhören.

Also war heute Morgen, nachdem alle Kinder ausgeflogen sind, ein guter Zeitpunkt.
Ich lud die Mutter auf eine Tasse Kaffee ein, mit der Ansage, dass wir mal über unsere Söhne sprechen müssten.

Sie kam herüber, und ich erzählte ihr, was hier so grade abläuft. Noch während ich erzählte sah ich, dass sie wirklich erschrocken und empört darüber war, was ihr Jüngster (und der große Bruder in Teilen) da so von sich gegeben hatte. Gewundert hat es sie aber nicht, weil der junge Herr sich im Moment so einige Dinge leistet- Puberty at its best.

Ich habe eine Weile überlegt ob ich es nun sagen soll oder nicht, habe mich aber dann doch entschieden, ihr von Sohns Aspergersyndrom zu erzählen. Ich habe ihr die ausgedruckte bebilderte Geschichte mitgegeben, die sie ihren Jungs geben kann.
Sie versprach, sich die beiden direkt nach der Schule vorzuknöpfen. Die Jungs sollen sich spätestens morgen in der Bahn entschuldigen, sollen sich aussprechen, und wenn noch mal etwas vorfällt, dann sollen wir sofort bescheid geben.

Ich bin schon mal positiv gestimmt dass ab jetzt alles besser wird mit den dreien- ein bisschen Optimismus schadet schließlich nicht- und bin schon sehr gespannt auf die Aussprache 😉 (Vor allem weil Kind1 so gut ist im SichAussprechen. Plappern kann er prima, ohne Punkt und Komma, aber „aussprechen“… naja. Abwarten ^^)

Und dann sehen wir mal wie es so weiter geht.
Kind1 ist glücklicherweise absolut nicht nachtragend, und wenn sich die Herren Nachbarn jetzt am Riemen reißen, dann kann es auch für Kind1 wieder gut werden.

Bullying