Wir sind irgendwie überall

Dass ich bei der Kleiderbörse mitmache bringt auch noch andere ungeahnte Dinge mit sich.

So habe ich mit einer Bekannten Kleidung einsortiert, und währenddessen erzählte sie mir von ihren „Spleens“. Es wurden immer mehr, irgendwann konnte ich es mir nicht verkneifen und sagte: „Du, hör mal, das kommt mir alles ziemlich bekannt vor, ist bei uns ähnlich- und wir sind übrigens Autisten!“
Kein Schock, nur: Ahaaaa! Und „Ich glaube, wir könnten auch welche sein“ von meiner Bekannten.

Ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen, ich schreibe hier auf der Seite ja über UNS. Ist mein Blog, mein Egotrip. Also erfahrt ihr jetzt, was das mit MIR gemacht hat 😉

Ich war erst ganz aufgeregt- wir sind also nicht alleine!! Okay, das war mir ja schon klar- aber es ist trotzdem spannend zu sehen.Ich freue mich richtig, weitere Leute zu treffen, denen es ähnlich geht. Die einen verstehen, weil sie ähnlich ticken und denen man eigentlich nichts erklären muss.

Außerdem sehe ich uns auch wieder, am Anfang. Da gibt es diese Dinge im Leben, die irgendwie anders laufen als woanders. Und man kann sich nicht erklären warum das so ist. Und dann kommt jemand daher, der sagt einem: „Hey, es könnte doch diese einfache Erklärung haben!“
Und man grübelt und vergleicht, stellt vielleicht auch mal fest dass es zwar passt, aber doch irgendwie anders ist als bei anderen.
Man lernt sich noch mal neu kennen. Alles, was man von sich wusste, steht plötzlich in einem neuen Licht. Und zwar in einem, dass einem zeigt was wirklich da ist. Man kennt ja alles irgendwie schon, aber plötzlich ergibt so vieles einen Sinn.

Anfangs kann das vielleicht ein bisschen schwer sein, denn wenn man sich auf den Gedanken „Autismus“ einlässt, dann heisst das ja direkt, dass man sich darauf einlässt, eine „Behinderung“ zu haben. Etwas, was andere abschrecken könnte, oder etwas, das andere Vorurteile haben lassen könnte („Haben lassen“? Stimmt das so? o.O ) . Vielleicht hat man ja auch selber Vorurteile. Denn was kennt man schon von Autismus, wenn man sich nicht explizit damit beschäftigt? Rain Man vielleicht. Und das hilft nicht. ICH bin nicht Rain Man (Obwohl ich vielleicht manchmal gerne das Zahlengedächtnis hätte… *seufz*).

Hat man sich aber erst einmal an den Gedanken gewöhnt, dann ist es super. Nicht der Autismus an sich, auf manche Sachen könnte ich gut verzichten. Aber das Wissen darum ist Klasse. Ich kann vorher einschätzen: Bin ich heute in der Lage dieses oder jenes zu tun? Und wenn ich dann trotzdem etwas tun muss, das mir nicht gut tut, dann weiß ich für hinterher, dass ich eine Auszeit brauche. Oder ich merke, wenn ich Hilfen brauche- von anderen, oder einfach nur Ohrstöpsel, Kappe und Sonnenbrille.
Weil man seine Reaktionen jetzt besser einschätzen kann, kann man sich besser schützen. Also, ich.

Und man kann seinem Kind/seinen Kindern besser helfen, wenn es denen ähnlich geht. Wenn man versteht, warum Kind jetzt grade explodiert, und es eigentlich gar nichts dafür kann, dann hilft einem das, selber ruhig(er) zu bleiben. (Dass das immer klappt kann ich zwar leider nicht sagen, aber immerhin verstehe ich, warum da grade jemand explodiert, während mir das alles zu viel wird und ich ebenfalls explodiere 😉 )

Naja, und weil mir das alles schon so klar geworden ist, und weil ich festgestellt habe, wie sehr ich mich mit dem Begriff Autismus angefreundet habe, wie entspannt ich damit bin,dass es eben so ist… deswegen habe ich mich viel vielleicht etwas sehr gefreut, andere zu treffen. Juhuu, ich bin ganz offensichtlich tatsächlich nicht alleine 🙂

Ach, und dann war da noch das Internet, in dem ich schon nette Menschen kennen gelernt habe. Manche noch nicht in echt…
Eine Internetfreundin fragte dann schon mal, ob wir uns nicht mal tatsächlich in echt treffen könnten. Ich hatte grade einen sehr autistischen Tag mit sehr autistischen Kindern (um es mal so auszudrücken…), und ich dachte mir nur: „Wenn DU wüsstest was Du Dir da wünschst, dann würdest Du nicht fragen…“

Und dann dachte ich: „Ach, egal, warum soll sie es nicht wissen?“ und schickte ihr den Link zum Blog.
Als Antwort bekam ich eine Aufzählung ihrer autistisch anmutenden Spleens, und jetzt bin ich eigentlich ganz beruhigt. Klar können wir uns mal treffen!

Ich stelle fest, dass ich mich auf meinem Planeten schon ziemlich wohl fühle!

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Wir sind irgendwie überall

2 Gedanken zu “Wir sind irgendwie überall

  1. Holger schreibt:

    Ihr seid überall =)

    Mal eine andere Frage: Du erzählst, dass Du jetzt besser verstehen kannst, warum manches so und nicht anders läuft. Gibt’s auch den umgekehrten Fall? Also, wo Du sagst: Das ist ganz klar mein Spleen der mich jetzt die andere Person anschreien lässt. In Wirklichkeit ist aber die Person scheiße. Oder wo Du etwas vielleicht mit Autismus erklärst aber später merkst dass das doch anders war?

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    1. Wenn eine Person scheisse ist merke ich das nach einiger Zeit schon. Ich gucke ja erst mal eine Weile wie das so läuft, und bin in der Zeit extrem nett und freundlich und höflich, egal wie die andere Person so ist.Ich schreie andere Leute aber eigentlich auch nie an wenn sie mich extrem nerven. Wenn ich anfangs Leute nicht einordnen kann halte ich mich aber auch gerne abseits. Und wenn ich hinterher der Ansicht bin: Jep, Person ist scheiße! Dann bleibe ich beim Abstand.
      Du kennst das vielleicht ja nicht so von mir, aber allgemein rede ich sehr wenig mit anderen Leuten, die nicht meine Freunde oder gute Bekannte sind. Wenn andere reden wollen lasse ich sie reden, lächele, nicke. Und habe irgendwann einen Termin 😉

      Was ich aber ganz oft habe ist, dass ich meist den Fehler erst bei mir suche. Ich versuche dann beim nächsten mal alles besser zu machen, analysiere alles zu Tode. Ob ich es explizit dem Autismus zuschreibe weiß ich jetzt gar nicht, vermutlich einfach meiner Unzulänglichkeit auf allen Gebieten (das ist was das ich leider nicht aus mir herausbekomme, auch wenn ich weiß dass ich auch Sachen gut kann. Noch schlimmer wird es übrigens, wenn man mir explizit sagt, dass ich nicht auf allen Gebieten unzulänglich bin. „Das sagen die doch nur um nett zu sein“ 😉 Teufelskreis 😉 ). Irgendwann stelle ich dann fest: Nope, ist ja gar nicht meine Schuld! Person ist einfach ein Arschloch.
      Nuja, und dann lasse ich die Person normalerweise in Ruhe, weil ich auch nicht weiß was ich sagen soll/kann/darf.
      Dass nicht jeder nett ist habe sogar ich mittlerweile kapiert. Auch wenn es etwas gedauert hat…

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