Liste von Charakterzügen bei Aspergerfrauen

Das Aspergersyndrom bei Frauen und Mädchen unterscheidet sich ja (meist) von dem bei Männern und Jungs. Wenn man Fachliteratur liest, dann erfährt man hauptsächlich etwas über Jungs und Männer, weil es dazu mehr Forschung gibt. Dass es bei Mädchen und Frauen anders, auch unauffälliger ist, ist erst in den letzten Jahren ins Bewußtsein gerückt.

Über den Blog von Fuchskind habe ich eine Tabelle von Charakterzügen bei weiblichen Aspergern gefunden. Und natürlich gleich mal mit mir verglichen- wen überrascht es noch groß dass sehr viel passt…? Niemanden!  Aber nicht alles passt, natürlich, denn jeder ist ja unterschiedlich.

Ich habe mal alles, was zu mir passt, mit einem roten Punkt versehen, und es ist jetzt tatsächlich ziemlich rotgepunktet… (Klick macht groß!)

Edit: Ich habe irgendwie gar nicht alles gepunktet und im Nachhinein noch Sachen gefunden, die passen- deswegen steht da jetzt eine neugepunktete Tabelle, aber unten im Text steht nicht noch mehr dazu, weil ich zu faul bin ^^

list of female asperger syndrome traits

Und weil ich ich bin, muss ich alles noch kommentieren ^^

Erste Spalte:

Punkt eins: Check. Unbequeme Kleidung geht nicht. Ich habe deswegen keine Schuhe mit höheren Absätzen, zum Beispiel, auch wenn ich sie eigentlich schön finde. Ein Paar habe ich mal besessen, das haben die Kinder mittlerweile zum Spielen.

Punkt zwei: Waschen, Deo, anziehen, kämmen, feddisch. Meist ist es bloß ein Pferdeschwanz oder ein …Haarknubbel/Duttdings, das ich mir dann mache. Schminken hin und wieder, ganz selten, aber nie für den Alltag. Ist auch unpraktisch, denn sobald ein Haar in mein Gesicht kommt muss ich wischen, zur Seite streichen. Schminke verschmiert seeeehr schnell dabei.

Punkt drei: „Youthful for her age“, auch bekannt als „kindisch“. Auch von der Kleidung her eher jünger. Aber nur modern, wenn die Mode sich mir anpasst ^^ (was hin und wieder tatsächlich mal passiert ist!!- sozusagen…)

Punkt vier: Ich HABE verschiedene Gesichtsausdrücke, auch wenn ich manche nicht intuitiv mache, sondern überlegen muss, was angemessen ist. Handgesten habe ich eine MENGE ^^ ich fuchtele gerne wie wild mit den Händen herum beim Reden.

Punkt fünf: Finde ich jetzt besonders lustig, das hier zu lesen, das kam etwas überraschend. Aber es passt! Als ich in eine WG mit zwei Kerls ziehen wollte war der eine erst nicht sicher, dass er ne FRAU in der WG haben will- die benehmen sich doch immer so weibisch. Ich „durfte“ dann doch, und es stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine Diva bei uns gab- das war aber nicht ich, sondern er. „Eigentlich bist Du ja mehr so wie ein Kerl“ sagte er einmal, und ich fasste es als das Kompliment auf, als das es gemeint war. Wir kamen gut miteinander aus, auch, weil ich ihn einfach Diva sein ließ.

Punkt sechs: „Very chameleon-like“ kann man meine Verkleidungen nennen, die ich mir immer so aussuche. Ich bin so, wie es grade passt. Eine Identität habe ich aber langsam gefunden, das liegt aber vermutlich einfach daran, dass man doch älter und reifer wird mit der Zeit 😉 (Offensichtlich sogar ich 😉 )

Punkt sieben: Definitiv Filme und Bücher, Science Fiction und Fantasy. Und mein Zufluchtsort ist Harry Potter!

Punkt acht: Kann ich unkommentiert so stehen lassen 😉

Zweite Spalte:

Erster Punkt: Schüchtern, sehr. Und ich habe sehr große Schwierigkeiten mit Zahlen, die kullern mir irgendwie immer aus dem Kopf. Ich muss sie aufschreiben um sie zu behalten, und ich muss Hilfsmittel nehmen um es mir zu verdeutlichen.

Zweiter Punkt: Ich habe ein sehr gutes Gehör für Töne und kann einen gehörten Ton exakt wiedergeben. Nicht immer auf Anhieb, aber ich finde ihn sehr schnell (kann also auch ganz passabel singen) und kriege bei schrägen Tönen Gänsehaut 😉 Künstlerisch bin ich auch recht begabt und sehe viele Details, die ich dann ganz gut in verschiedenes umsetzen kann. Leider sehe ich auch viele Details bei dem was ich so male/zeichne/bastele/nähe, und kleine Fehler machen dann schon mal, dass ich alles in die Ecke schmeiße, weil ich nicht gut genug bin.

Dritter Punkt: Das ist eigentlich nur ein halber Punkt, weil ich nur Erziehungsdinger gemacht habe. Warum ich das trotzdem mit rein nehme ist, weil es sich auch auf andere Interessen anwenden lässt. Ich habe phasenweise Interessen, die in alles in meinem Leben überschwappen. Ich mache dann nichts anderes und konzentriere mich komplett darauf. Sogar Pause machen vergesse ich, oder etwas essen oder trinken. Dann, irgendwann, ist es vorbei, und es kommt irgend etwas komplett anderes. Praktisch war die Phase, in der ich extrem gerne gekocht habe- DA habe ich das Essen nicht vergessen ;.) Aber beim SItzen an der Nähmaschine war dann manchmal plötzlich schon der nächste Tag, und ich hab nix gegessen, nicht getrunken, und geschlafen sowieso nicht.

Vierter Punkt: Ich habe noch nicht viel „woanders“ gearbeitet, aber ich habe schon Stress, wenn ich daran denke, mit fremden Menschen umgehen zu müssen. Alleine das Bewerben war immer die Hölle.

Fünfter Punkt: Vielleicht nicht highly intelligent, sondern nur normal intelligent, aber nicht dumm. Aber immer mal wieder Schwierigkeiten damit, was mein Gegenüber mir sagen will. In Umgebungen mit vielen Reizen muss ich mir manchmal die einfachsten Sachen erklären lassen (wenn ich ich traue zu fragen, was nicht sooooo oft der Fall ist. Sonst lächele ich und nicke bloß…), und um nicht doof auszusehen lache ich und sage: „Ach, ich dachte ich hätte es falsch verstanden, aber war doch alles richtig!“ 😉

Sechster Punkt: Bei mündlichen Anweisungen kommt oft nicht alles an, und ich muss recht häufig nachfragen. Diagramme sind hingegen super, da kann ich mir alles merken. Wenn das nicht geht, dann reicht manchmal aufschreiben. Aber Bilder sind am besten! Das hat auch Vorteile: Ich kann mir ein Bild angucken, und weiß was zu tun ist, ohne die Anleitung zu lesen, weil ich das Bild lesen kann. (Zugegeben, das kann auch mal schief laufen… 😉 )

Siebter Punkt: Obsessions, definitiv. Wie gesagt, ich hatte Kochen, Nähen, dann auch  Malen, Musik hören, Serien/Filme gucken, Mittelalter, lesen….. Alles keine Sachen, die zu sehr auffallen (vielleicht noch das Mittelalterhobby), aber die Häufigkeit und die Intensität sprengen dann immer gerne den Rahmen, weil dann nicht viel Platz für anderes ist.

Dritte Spalte

Punkt eins: Ich reagiere oft genau so patzig wie meine Kinder, mit kindischen Äußerungen und Verhalten. Das merke ich dann, und werde sauer auf mich selber, was es nicht besser macht. Ziemlich unreif, leider.

Punkt zwei: Über Gefühle und emotionale Dinge reden kann ich zwar nicht so gut, aber offensichtlich kann ich darüber schreiben 😉 Vieles, was ich hier schreibe, würde ich in einem „echten“ Gespräch vermutlich nie sagen. Das kommt nicht aus dem Mund heraus, irgendwie. Bei guten Freunden schon eher mal, und wenn ich weiß, dass die das hier gelesen haben, dann kann ich es schon mal als gegeben voraussetzen und dazu etwas sagen. Das wars dann meist aber auch schon.

Punkt drei: Sensorische Reize nehme ich ziemlich schnell auf, Lärm, Licht und Berührungen sind am schlimmsten. Geruch ist nicht mehr so schlimm, seitdem ich sehr oft Nasennebenhöhlenentzündungen hatte, die haben glaube ich meinem Geruchssinn geschadet. In Parfümerien oder in die Duftkerzenabteilung bei Ikea kann ich aber trotzdem nicht. Und Overloads haben kann ich, herzlichen Dank.

Punkt vier: Ich habe tatsächlich Probleme mit dem Magen… (und lasse das so hier stehen ^^)

Punkt fünf: Ich habe verschiedene „stimmings“  (lustig, wenn Dinge, die man so tut, plötzlich einen Fachausdruck bekommen 😉 ) bei eher negativer Aufregung. Früher habe ich immer mit den Zehen gewackelt, dicker Zeh an den „Zeigezeh“ gerieben, bis die Stelle taub war, und noch weiter (dann hat es aber weh getan). Das mache ich manchmal immer noch, aber ich habe festgestellt, dass es mir besser geht, wenn ich Daumen, Zeige- und Mittelfinger aneinander reibe (was ich aber auch mache wenn ich positiv aufgeregt bin, und manchmal einfach nur so weil es grade gut tut), oder, wenn es schlimmer ist, die Hände relativ schnell drehen, „wie das Fähnchen auf dem Turme“, aber etwas hinter dem Rücken versteckt. Wenn es RICHTIG schlimm ist klopfe ich mir mit der Hand auf die Brust, aber das ist zum Glück wirklich, wirklich selten. (denn da sieht man einfach zu seltsam aus, kann aber grade nix gegen tun…). Manchmal hilft auch Musik- wenn ich grade explodieren könnte, dann hilft es, ein bestimmtes Lied ganz laut zu hören und dabei herumzuspringen. Zwei, drei mal hören, und mir geht es besser. Das geht aber nur, wenn ich grade Geräusche ertragen kann, also noch nicht zu viel Geräuschinput am Tag hatte.

Punkt sechs: Wenn es mir gut geht und ich mich freue, dann springe ich sofort herum und flattere mit den Händen wie ein Vogel, oder ich klatsche. Wenn ich so richtig übermäßig froh und aufgeregt bin, dann renne ich auch schon mal Kilometer im Wohnzimmer auf und ab, springe zwischendrin. Flattere manchmal zusätzlich. Sich „stimmen“, so habe ich gestern gelernt, tut man aber auch, um seinen „Ruhezustand“ zu erhalten- der Zustand in dem man weder positiv noch negativ aufgeregt ist, der für Autisten quasi Glückseligkeit ist, weil man da fast „normal“ ist 😉 (grobe Übertreibung…) Und das mache ich tatsächlich auch. Wenn es mir ganz gut geht, dann mache ich mir ein Lied an und höre es, singe es mit. Tagelang, wenn die anderen Pech haben auch Wochenlang. Das jeweils aktuelle „Lieblingslied“ singe ich dann, und mir geht es gut. Aber auch das geht nicht, wenn ich grade sehr geräuschempfindlich bin.

Punkt sieben: Temper Meltdowns… oooh jeee…. die kann ich… Bin manchmal ein echter Wüterich… Selten bis nie in der Öffentlichkeit. Zum Glück.

Punkt acht: Jep. (Nix hinzuzufügen)

Punkt neun: Zum Glück nicht komplett Mutistisch, mit großer Anstrengung KANN ich reden. Dann aber oft nur hingebellte Worte, kurze Sätze. Aber auch das passiert nur, wenn es richtig schlimm ist (Brustklopf-Schlimm). Zum Glück. Töchterchen hingegen kann manchmal gar nicht sprechen, das muss schlimm sein für sie!

Vierte Spalte:

Erster Punkt: Weil mir das früher so oft passiert ist habe ich es mir angewöhnt, vieles in einfachen Sätzen zu sagen, denen dann massiv verschachtelte Erklärungen nachfolgen, so dass ich über Pipifax Monologe halte…Und hinterher ist vor lauter Monolog auch nicht immer klar was ich eigentlich sagen wollte… (Nichts sagen ist wirklich, wirklich einfacher… und die Monologe passieren immer dann, wenn ich versuche aus mir heraus zu gehen und halt doch etwas zu sagen… 😉 Sehr erfolgreich, also…)

Zweiter Punkt: Ich sage ja, nichts sagen und unauffällig bleiben liegt mir am meisten!

Dritter Punkt: Hervorzuheben sind hier die „small doses“. Mit wenig Leuten kann ich sprechen und sozialisieren, in großen Gruppen bin ich oft geflasht und sowieso weggebeamt, also sage ich da auch nix. Das Wegbeamen ist glaube ich sowas wie das mit dem „will shut down“ aus der Tabelle, ich bin dann nicht mehr da und funktioniere nicht mehr richtig.

Vierter Punkt: Jo. Isso. Allerdings auch schon mal mit guten Freunden.

Fünfter Punkt: Ich habe mittlerweile einige Freundinnen, mit denen ich aber nicht so oft „Shoppingtouren“ mache. Am liebsten sind mir „Kaffeetrinken“ Runden, und am allerliebsten da, wo es ruhig ist. Aber „girly things“ mache ich mit Frendinnen eher selten.

Sechster Punkt: Sensory issues und Sex. Tja, ich könnte ein ganzes Kapitel darüber schreiben, traue mich aber nicht ^^ Vielleicht, ganz vielleicht, mit Passwort, das aber dann nur ausgewählten Frenden gegeben wird… oder vielleicht auch gar nicht, und ich schreibe es nur für mich auf?  Weiß ich noch nicht.

Siebter Punkt: Ich will gar nicht darüber nachdenken WIE peinlich ich schon diesbezüglich war, das treibt mir immer noch die Schamesröte ins Gesicht… Und mehr hört ihr zu diesem Thema nicht von mir ^^

So, das wars! Einmal abgearbeitet. Ganz schön viel geworden …

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Liste von Charakterzügen bei Aspergerfrauen

5 Gedanken zu “Liste von Charakterzügen bei Aspergerfrauen

    1. Ist ja alles eine graduelle Sache. Uns wurde bei der Diagnose von Kind1 erklärt, dass man auch sehr viele autistische Züge haben kann, aber eben noch nicht im Spektrum liegt, sondern nur knapp davor. Oder gaaaaanz knapp dahinter, so „gradenochsoAutist“ (so haben sie es nicht genannt 😉 ).

      Aber ist jetzt nicht so schlimm, dass Du nicht so weit von mir weg bist 😉 ❤ (Räumlich allerdings schon, was hingegen sehr schade ist…)

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      1. Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich denke, dass ich vielleicht knapp davor liege oder vielleicht auch nicht ganz so knapp, aber letzten Endes ist das ja auch schnuppe, da es einfach zu mir gehört und ich bin wie ich bin. Ich würde auch vieles in anderen Spalten ankreuzen, aber es sind halt alles Sachen, die mich nicht so sehr einschränken im Alltag, glücklicherweise. Auch wenn ich dem Gatten manches gern mal vorlegen würde. 😉

        Ja, räumlich ist doof. Wir müssen uns mal wieder treffen. 🙂

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  1. Karl Dall baut Lego schreibt:

    Ich dachte das gleiche wie Nele. Da kann ich auch für mich einiges als passend raussuchen…
    Ich glaub es ist doch ganz gut, dass jeder eben er/sie selbst ist und man sollte nicht zu sehr in Schubladen bzw. Krankheitsdefintionen denken. Womöglich blockiert man sich sonst auch…
    „Etiketten sind für Dosen, nicht für Menschen.“ (Anthony Dean Rapp)

    Ansonsten…danke für das entgegengebrachte Vertrauen. Ich hab mich nun bis hierher vorgearbeitet vom Anfang des Blogs seit vorgestern Abend und gleich komm ich dann wohl schon in der Echtzeit an.
    Ich glaub du kannst ziemlich stolz auf dich und dein Leben sein…wie ich das so sehe.
    Für mich übrigens eine prima Gelegenheit auch zur Weiterbildung um bei meinen Schützlingen achtsamer auf einiges zu sein. Dankefein 🙂

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    1. Schubladendenken ist natürlich ne ziemlich doofe Sache, und wenn einfach jeder so sein dürfte wie er kann, dann wäre das garnicht nötig. Aber weil man leider doch immer funktionieren muss ist es gut, wenigstens die Schublade zu kennen, in der man steckt, damit man weiß woran man ist. Das macht es einfacher, sich „normal“ zu verhalten. Also, bei mir. Weil ich jetzt weiß wie ich mir helfen kann. Außerdem ist meine Schublade ganz bequem ^^ Muss nur nicht jeder wissen, wo meine Schublade steht! (dass ich seltsam bin merkt man eh schnell ^^)

      For your information: Ich habe sehr, sehr gelacht als ich Deinen Namen im Kommentag gelesen habe, wusste sofort wer Du bist, und bin wenige Sekunden später in mein Näh- und Bastelzimmer gegangen, um „Dein“ Portrait zu suchen, lieber Karl. Ich habe es gefunden ^^ Gibt Dinge, die schmeißt man nicht weg!!

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