„Bist Du Sicher..?“

Manchmal, wenn ich Freunden, die noch nix vom potentiellen Aspergerdings bei mir wissen, erzähle was los ist, kommen verwunderte Fragen. Eine Freundin meinte: „Ja, aber ihr fahrt oft auf große Mittelaltermärkte? Wenn Du Aspie wärst, dann würde Dir das doch schwer fallen? Bist Du sicher dass Du dich da nicht vertust?“

Sie hat ja recht, zumindest mit den Veranstaltungen! Ich gehe sehr ungerne zu Besuch auf Mittelaltermärkte. Die sind oft voll und laut, was ich ja nicht so gerne mag.

Aber. Wenn wir auf Märkte fahren, dann tun wir das ja nicht als Besucher, sondern als Aktive. Wir haben unser Lager, und somit unser Zuhause dabei. Auch, wenn die Aufstellung immer etwas variiert, Grundsätzliches ist immer dabei. Ein Sonnensegel, Tische, Bänke. Zelte um sich zurück zu ziehen. Es ist mein sicherer Hafen.

Auch, wenn wir nicht, wie andere Gruppen, unser Lager gegen „Eindringlinge“ mit Absperrungen schützen, ist es für die Meisten klar, dass das unser Raum ist. Manche kommen rein und gucken, sehr wenige sind auch penetrant und nerven. Aber die kann man dann ja herauskomplimentieren 😉

Ich kann mir aussuchen- stürze ich mich ins Getümmel oder bleibe ich im Lager und bin „Dekorativ“?  Wenn viel los ist, dann bleibe ich einfach im Lager. Kochen, Handarbeiten machen und sogar *hüstel* langweilige Dinge wie Messer schärfen in Gewandung wird von Besuchern gerne angesehen. Wenn jemand etwas wissen möchte gebe ich antwort, unterhalte mich vielleicht auch mal. Ich stelle ja schließlich auch etwas dar. Eine Rolle, die ich spielen kann! Prima!

Wenn dann weniger los ist kann ich mich auf den Markt „trauen“ und gucken. Ich mag den Markttrubel ja schon gerne, aber ich mag mich auch zurückziehen können, wenn ich genug habe.

Wenn ich zu Besuch auf einem Mittelaltermarkt bin, dann habe ich so einen Rückzugsort nicht. Manchmal kann ich mir einen bauen, indem wir einen simulieren- ein Umhang auf einer Wiese, da ist jedem Klar, dass das „mein“ Platz ist. Aber bei Regen , wenn man sich vielleicht noch irgendwo unterstellen muss, oder an überfüllten Tischen sitzen, dass macht mich sehr schnell unruhig.

Bei anderen Großveranstaltungen ist es ähnlich. Früher war ich oft auf riesigen Metalfestivals. Wenn ich mitten im Getümmel stand, wartend darauf, dass die nächste Band spielt, fühlte ich mich in den enormen Massen an Menschen absolut verloren und kribbelig. Ich habe mir immer gedacht, dass es das nicht ist, was mache ich da bloß? Warum denke ich da vorher nie dran, dass Menschenmassen nicht mein Ding sind?

Aber dann begann die Musik, und ich war einfach nur glücklich. Es war so laut, dass man eh nicht kommunizieren konnte, Ohrstöpsel taten ihr weiteres. Die Musik war überall, man hat sie nicht nur mit den Ohren gehört sondern mit dem ganzen Körper. Großartig!

Und wenn wir dann fertig waren, dann gingen wir wieder zurück zum Zeltplatz. Zu unserem Lager, dem sicheren Hafen. Das gleiche wie bei Mittelaltermärkten. Ein paar Zelte im Kreis, in der Mitte ein Platz zum sitzen, und fertig war das temporäre Heim.

Große Veranstaltungen gehen also, wenn das Thema stimmt ^^ Ich brauche „nur“ ein paar Voraussetzungen, dass ich es schaffen kann, dann wird es schon. Overload gibts meist natürlich trotzdem, aber besser auszuhalten!

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2 Gedanken zu “„Bist Du Sicher..?“

  1. Diese Sätze wie „Du machst doch aber dies oder du tust doch aber das, also kannst du gar kein Aspie sein“ bekomme ich leider auch oft zu hören. 😦

    Doch nur weil ich eine Autistin bin, heißt das nicht, dass ich nicht am öffentlichen Leben teilhaben kann oder auch möchte.

    Wie du schon geschrieben hast: Wenn es etwas ist, was mich wirklich interessiert und bestimmte Rahmenbedingungen vorhanden sind, ist es für mich als Autistin, durchaus möglich z.B. ins Kino, ins Theater oder auch mal auf ein Konzert zu gehen, ein Restaurant oder ein Café zu besuchen oder eben so wie du einen Mittelaltermarkt.

    Für mich ist es bloß wichtig, dass all diese Unternehmungen geplant sind und nicht spontan stattfinden. So kann ich mich vorab schon darauf einstellen. Außerdem weiß ich mittlerweile ganz genau, dass ich danach oft müde und kaputt bin und erst einmal Zeit für mich brauche. Doch diese nehme ich mir dann auch.

    Hinzu kommt, dass ich bei jeder Unternehmung versuche darauf zu achten, wie es in dem Moment am angenehmsten für mich sein könnte. Ich sitze zum Beispiel im Kino oder im Theater nicht immer mittendrin, sondern oft auch in der hintersten Reihe oder ganz außen. Ähnlich ist es bei Konzerten. Weißt du, was ich meine?

    Dann geht das alles schon mal. 🙂

    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend,
    Nadine

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    1. Ist halt nix was man von außen sieht, nicht sichtbar oder hörbar behindert… Ist dann schwer nachzuvollziehen! Deswegen schreibe ich das hier ja auch für Verwandte und Freunde (und für mich).

      Zur Spontaneität habe ich grade angefangen, hier eine Menge aufzuschreiben, ich glaube, das muss ich mal als Artikel verfassen. danke für die Idee ❤ Deswegen jetzt nur die Kurzform: Spontan geht wenn ich die Rahmenbedingungen und die Örtlichkeiten kenne, ansonsten brauche ich Hilfe…

      Und ich weiß ganz genau was Du meinst! Ich mag Konzerte, aber hasse es in der Mitte zu stehen! Ich stehe eigentlich IMMER ganz rechts oder links am Rand- das hat auch den Vorteil, dass ich meist in 1. oder 2. Reihe stehe und alles sehe ^^ Denn alle Leute vollen nach vorne in die Mitte! (Da da eh meist der Moshpit ist und ich Angst um meine Brille habe ist es gleich doppelt so gut, nicht da zu sein ^^ )

      Liebe Grüße
      Das Huhn!

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