Fragen kostet nichts

Eines der nervigeren Dinge, die, wie ich jetzt gelernt habe aspergertypisch sind, ist es, dass man sich schwer tut Hilfe zu holen. Alles will man mit sich selber ausklamüsern, obwohl man bei vielen Dingen einfach nur mal fragen könnte. Wenn man Probleme wälzt wird das nur im Kopf getan, und das kann belasten.

Ich selber habe wirklich Jahre gebraucht um zu verstehen, dass ich nicht das Rad neu erfinden muss, es reicht oft, jemaden zu fragen, der sich damit auskennt. Um Hilfe bitten.

Kind2 hat das leider noch nicht gelernt, egal, wie oft ich ihr sage, dass sie nicht alleine ist, auch wenn sie in der Schule ist.

Heute sollte sie mit dem Bus nach Hause kommen. Eine ganze Weile habe ich sie ausschließlich gefahren, weil unsere Bushaltestelle eine Baustelle und somit gesperrt war. Jetzt soll wieder Normalbetrieb herrschen. Ich kann ja nicht jedes mal Taxi Mama sein, wenn sie doch kostenlos Bus fahren kann.

Kind2 sollte in der Schule bescheid sagen, dass sie heute Bus fahren würde. Ich glaube aber, dass sie das im Trubel einfach vergessen hat. Also wusste auch die Busaufsicht nicht, dass sie wieder mitfährt, und Kind2 wusste nicht, wer überhaupt Busaufsicht hat. Die Busaufsicht soll sie allerdings zum Bus begleiten, damit sie nicht alleine ist, die Haltestelle ist nämlich ein paar Schritte vom Schulgebäude entfernt.

Kind2 wusste nun also nicht, an wen sie sich wenden sollte als niemand kam. Sie wartete und wartete, sah den Bus vorbei fahren… und anstatt Bescheid zu sagen oder um Hilfe zu bitten tat sie das, was sie sich selber ausklamüsert hat. Da der Bus nun weg war und sie (gefühlt) ganz alleine auf der Welt tat sie das, was ihr als die einzige Lösung des Problems in den Sinn kam: Sie ging zu Fuß nach Hause. Im Schneeregen, weinend, einsam, verzweifelt.

Auf dem Weg nach Hause ging sie gradewegs an der Wohnung der Oma vorbei, die um die Ecke der Schule wohnt- die einzige Lösung des Problems war eben, weiter zu laufen. Sogar Oma um Hilfe zu bitten ist ihr nicht eingefallen, obwohl der Weg von der Schule bis zu ihr gut bekannt ist, Kind2hat Montags immer Omatag.

Ich habe natürlich in der Zwischenzeit schon mit der Schule telefoniert weil sie ja nicht rechtzeitig zu Hause war, man wollte wissen an welchen Tagen sie nun mit dem Bus fahren würde und an welchen nicht. Dass sie heute nicht gefahren ist, so dachte man da, lag daran, dass ich sie wieder abgeholt hatte. Wir besprachen, dass wir und alle auf die Suche von Kind2 machen würden, und ich fuhr los in Richtung Schule. Schon nach ein paar Metern traf ich auf ein aufgelöstes Kind, lud sie ins Auto und fuhr heim. Ich meldete in der Schule dass Kind2 aufgetaucht ist, und kümmerte mich um die Maus.

Ich nahm sie in den Arm, tröstete sie,  machte ich ihr einen warmen Kakao und ein Wärmkissen, sie war ganz durchgefroren nach dem Weg durch den Schneeregen.

Und dann versuchte ich, ihr -wieder einmal- beizubringen, dass sie nicht alleine sein muss. Dass sie in der Schule immer jemanden fragen kann, der ihr dann hilft- auch, wenn es nicht der Lehrer ist, der dafür zuständig ist. Alle Lehrer können helfen, aber sie müssen bescheid wissen. Im Zweifelsfall kann IRGEND EIN Lehrer einfach mit ihr zum Telefon gehen und mich anrufen.

Aber ich weiß auch, wie schwer ihr das fällt, denn mir ist es damals genau so schwer gefallen. Lehrer ansprechen. Gruselig. Was soll man denn da sagen? Wollen die mir überhaupt zuhören? Verstehen die, was ich sagen will? (In Kind2’s Fall: Hin und wieder verstehen die Lehrer NICHT, was sie sagen will, denn sie sagt nicht alles was sie wirklich loswerden will… Und wenn sie sich dann nicht mehr traut, dann kann sie gar nicht mehr reden.)

Ich kann ihr nur immer und immer wieder sagen: Hol Dir Hilfe! Frag nach! Sag was! Du musst nicht alleine deine Probleme wälzen, wenn sie zu groß sind für dich. Manches wird sich nicht in Luft auflösen wenn du um Hilfe bittest, aber solche Sachen wie heute können geregelt werden, und andere Sachen werden dir erleichtert.

Arme Maus-

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Fragen kostet nichts

Ein Gedanke zu “Fragen kostet nichts

  1. Oh je. Die arme kleine Maus. Zum Glück ist ihr nichts passiert!

    Die Sache mit dem nicht Fragen wollen kommt mir jedoch sehr bekannt vor. Erst gestern habe ich wieder so eine Situation gehabt. Als ich auf dem Rückweg von der Ergo in den Bus nach Hause steigen wollte, wartete an der Bushaltestelle ein Bus ohne Aufschrift. Eigentlich hätte der Bus nur mein Bus sein können, da um diese Uhrzeit kein anderer Bus von dort aus fuhr. Doch plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, ob dieser Bus wirklich meiner ist. Ich habe mich allerdings auch nicht getraut, die Busfahrerin anzusprechen und zu fragen, welcher Bus das ist, sondern stand nur wie angewurzelt vor dem Bus. In Gedanken habe ich mich schon an der Bushaltestelle sitzend gesehen, wie ich auf den nächsten Bus warte. Und das bei der Kälte! Doch kurz bevor der Bus los fuhr, sprach mich die Busfahrerin an, ob ich mitfahren wolle. Und dann schaffte ich es auch sie zu fragen, welcher Bus das nun sei. Es war tatsächlich mein Bus! Hätte mich die Busfahrerin nicht angesprochen, wäre mir der Bus doch glatt vor der Nase weggefahren. Solche Situationen, wie gestern, passieren mir leider immer wieder. Vor allem beim Bus und Bahn fahren. Doch meistens bekomme ich irgendwie gerade noch so die Kurve.

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