Nichtschwimmer

Kind1 hat jetzt Schulschwimmen. Und die Klasse bekam vom Sportlehrer mitgeteilt, dass sie alle schwimmen können müssen.

Panik bei Kind1! Kind1 kann nicht schwimmen, trotz diverser Kurse. Für ihn ist es ganz schlimm, wenn Wasser in die Augen, Mund und Nase kommt. Er braucht immer eine richtige Taucherbrille, die Augen und Nase bedeckt, damit er ins Wasser geht. Wenn er die Brille trägt hat er auch Spass am Wasser.

Dann kommt aber seine Motorik dazu… Er hat wirklich Probleme damit, die Arme und die Beine zu koordinieren. Wenn er den Armschlag richtig hinbekommt, dann stimmt der Beinschlag nicht, und andersherum. Außerdem kann er den Kopf nicht über Wasser halten, dann geht er unter. Klar, wenn er Arm- und Beinbewegungen nicht kann, dann bleibt er auch nicht über Wasser.

Kind1’s „Schwimmen“ besteht also darin, dass er im flachen Wasser 5 Meter weit taucht, wild mit Armen und Beinen um sich schlagend, hoch kommt, kurz Luft holt, sich dabei mit dem Fuß am Boden abstützt, wieder untertaucht, und unter Wasser weitere 5 Meter zu …zappeln. Immer wieder. Das macht er allerdings mit großer Begeisterung…

Schwimmen kann man das leider nicht nennen, und es ist definitiv zu wenig, um beim Schulschwimmen teilzunehmen.

Das war für mich ein Anlass, die Aspergerkeule mal wieder auszupacken. Ich schrieb dem Sportlehrer eine Nachricht, dass Kind1 eben nicht schwimmen kann und begründete es ihm. Was wir denn nun tun könnten fragte ich.

Bald darauf rief der Lehrer mich an, und wir besprachen das weitere Vorgehen.

Der Lehrer würde erst einmal sehen, wer seiner Schüler überhaupt schwimmen kann- viele, die sagen dass sie schwimmen können, können sich nur mit Mühe über Wasser halten, haben grade eben so das Seepferdchen geschafft. Wenn mehrere solche Kinder dabei wären, dann würden sie noch eine Nichtschwimmergruppe machen, die im flacheren Wasser üben können, ansonsten könnte der Sohn halt nicht mitmachen. Ob ich denn vom Arzt eine Bescheinigung bekommen könnte, dass er nicht mit schwimmen kann aufgrund seines Autismus? Dann wäre das alles sowieso überhaupt kein Problem!

Ich fragte den Arzt, und siehe, er schreibt uns zumindest für den Februar schon mal ein Attest, das aber bei Bedarf auch verlängert werden kann.

Am liebsten wäre es mir natürlich, dass der Sohn trotzdem mitmacht und im flachen Wasser üben kann, denn es wäre schon wirklich, wirklich gut, auch mal ein Schwimmerkind zu haben…

Bis dahin gibts halt wieder mal Extrawurst.

Und die Klassenlehrerin war der Ansicht, dass die anderen Kinder sowieso nix merken von Kind1’s Eigenheiten…

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Nichtschwimmer

4 Gedanken zu “Nichtschwimmer

  1. KarlDallbautLego schreibt:

    Und da gibts wirklich einen Zusammenhang? Zwischen Asperger und Schwimmen können? (ist keine kritische Frage, sondern wirklich eine unwissende)

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  2. Nein, natürlich hat Kind1’s Nichtschwimmerdasein nicht direkt etwas mit seinem Asperger zu tun. Das Nachbarsmädchen ist ein wahrer Fisch und aus dem Wasser am liebsten gar nicht herauszubekommen.
    Kind1 ist auch schon deutlich entspannter im Wasser als er es früher war, und er ist auf gutem Wege, schwimmen zu lernen. Aber die starke Reizempfindlichkeit und die nicht wirklich gute Motorik macht ihm das Ganze nicht einfacher.
    Es scheint bei Aspergern nur endweder Wasserratten oder Landeier zu geben, scheint es mir manchmal ^^

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  3. Die Nachbarin schreibt:

    Ich glaube zumindest motorisch gesehen gibt es da schon einen Zusammenhang. Mein Asperger Mädchen hat generell wenig motorische Schwierigkeiten für einen Asperger. Während mein Asperger Junge große motorische Schwierigkeiten hat. Dies und seine Schwäche Handlungsschritte vorherzusehen machen ihm das Schwimmen auch sehr schwer. Er geht seit er ein Baby war in Schwimmkurse und ist definitiv eine Wasserratte. Und er würde auch ganz sicher nicht mehr ertrinken. Dennoch fällt es ihm schwer mehrere Handlungsschritte gleichzeitig zu machen, so dass er zwar vorne mit den Armen super schwimmt, aber gleichzeitig die Beine zu bewegen kriegt er kaum hin. Daher sinkt sein Hinterteil immer ab. Das gleiche Problem haben wir mit dem Fahrradfahren. Zuviele motorische Handlungsschritte auf einmal und dann auch noch auf den Verkehr achten, unmöglich. Da kann es passieren, dass er ungebremst vor die Mauer fährt. Mein Asperger Mädchen hat diese Schwierigkeiten kaum. Sie ist im Straßenverkehr sicher, außer die Tasse ist voll. Sie fährt Fahrrad, Inliner, etc. und ist eine tolle Schwimmerin. Vielleicht ist dies auch einer der Unterschiede zwischen Asperger Jungen und Mädchen. Aber ein Zusammenhang besteht da glaube ich auf jeden Fall. Motorische Schwierigkeiten haben viele Asperger, besonders Jungs und viele Handlungsschritte überfordern. Und daraus ergeben sich diese Probleme natürlich.
    Liebe Grüße von nebenan 😘.

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    1. Du hast natürlich total recht- das alles hindert ihn schon am Schwimmen lernen. Aber mit mehr Übung könnte er es durchaus lernen. Ich meinte damit nur, dass es nicht heisst Asperger= Nichtschwimmer. Denn das kann man nicht sagen.

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