Fliegendes Babyvögelchen

Passend zu den letzten beiden Posts über das Flattern gab es heute eine lustige Situation, die ich noch kurz erzählen möchte 🙂

Ich musste Kind1 von der Schule abholen, damit wir noch IRGENDWIE rechtzeitig zum Amt fahren konnten (Kind1 braucht einen Ausweis, und das Amt hat offenbar exakt den gleichen Stundenplan wie Kind1, denn es ist nie geöffnet, wenn er mal KEINE Schule hat…).

Ich wartete im Auto vor der Schule, die Eingangstür im Blick. Ich konnte nur schwarze Schemen sehen, die aus dem Gebäude kamen, erst wenn sie ein Stück gegangen waren konnte ich mehr erkennen. Aber Kind1 war nicht dabei.

Schüler und Schülerinnen kamen heraus, erst mehrere, dann tröpfelte es eher, und es kamen immer vereinzelt welche raus. Alle gingen ganz normal mit ihren Ranzen auf dem Rücken ihres Weges, die einen etwas schneller, manche langsamer, wie man das so macht, nach einem langen Schultag. An Gymnasien gibt es aber natürlich deutlich weniger Gerenne als in Grundschulen. Ich guckte weiter, konnte Kind1 aber nicht sehen.

Nach einer Weile dann kamen wieder ein paar Schemen aus der Tür. Vier waren es. Drei gehende, und ein hüpfender, flatternder.

Auch, wenn ich keine Gesichter erkennen konnte, mir war SOFORT klar, dass das nur Kind1 sein konnte… Und so war es dann auch 🙂

 

Fliegendes Babyvögelchen

Babyvögel

Im letzten Post habe ich ja darüber geschrieben, wie das mit dem Flattern für mich so ist. Daraufhin wollte ich meine eigene, wild in der Gegend herum flatternde Brut mal interviewen, wie sie diese Flatterei sehen und warum sie das machen. Das war…. nicht sehr ergiebig.

Ich fragte Kind1, warum er flattert.

„Ich mag das.“ war seine ausführliche Antwort.

Aha. Und wann flatterst du?

„Wenn ich das will!“

Verstehe. Und wie fühlst du dich dabei?

„Als ob ich herumspringe und mit den Armen flattere.“

Kind 2 fragte ich ebenfalls: Warum flatterst Du?

„Äh, das mache ich halt einfach so.“

Wann flatterst Du, Kindelein?

„Wenn ich aufgeregt bin, denn nur so können andere das ja auch merken!“

AHA! Das ist ja schon mal ein Hinweis. Klingt für mich so, als hätte Kind2 Schwierigkeiten damit zu erkennen, wann jemand etwas fühlt- wenn man es nur an Handgesten erkennen kann, dann macht sie die Handgesten auch.

Und wie sie sich dabei fühle, fragte ich.

„Aufgeregt natürlich, denn dann mache ich das ja!“

Nun gut. Das ist alles schon ganz richtig, wir feilen eventuell noch etwas an der Ausführlichkeit ^^

Ich kann allerdings aus meiner Beobachtung noch ergänzen, dass meine Kinder bei Aufregung herumflattern, hauptsächlich wenn sie sich freuen oder etwas spannendes ansteht. Kind1, der oft in seinen eigenen Gedanken ist und dann am liebsten an coole Dinge denkt, flattert oft ohne ersichtlichen Grund und springt dabei hoch und runter. Oft kichert er auch. Kind2 grinst immer breit wenn sie herumflattert, undwenn sie einmal angefangen hat herumzuflattern, dann kann sie auch kaum aufhören.  Während Kind1 hauptsächlich aufgeregt ist über Dinge am Computer und was damit so zusammen hängt, ist Kind2 genau so oft aufgeregt über soziale Dinge, wie zum Beispiel wenn sie von Freunden erzählt, oder wenn sie darüber (laut) nachdenkt, dass sie mit jemandem spielt/ spielen möchte/ gespielt hat.

Beide finden das Flattern überhaupt nicht seltsam oder ungewöhnlich, denn sie machen es einfach, weil es grade so passiert. Hindert sie hier ja auch niemand daran- höchstens ich mal, wenn mir grade alles zu viel ist, und zwei Kinder mit ihren Extremitäten an mir vorbeifuchteln. Dann schicke ich sie schonmal woanders hin, bis sie wieder etwas ruhiger sind 😉 Aber ich würde ihnen nicht sagen, dass sie nicht flattern dürfen- wäre ja auch ziemlich doof, während ich in der Luft herumfuchtele den Kinden zu sagen, dass sie das sein lassen sollen 😉

 

 

Babyvögel

Wenn ich ein Vöglein wär‘

…dann würde ich vermutlich nur etwas öfter mit den Flügeln flattern als ich es jetzt mache. Okay, und ich hätte Federn…

Irgendwie war es mir jetzt ein Bedürfnis, über das Händeflattern zu schreiben. Ich flattere und Kinder 1 und 2 flattern. Und es ist super 😉

Das, was von außen seltsam aussieht, unnormal, auffällig, seltsam, das ist zumindest für mich wirklich gut. Ich muss mal die Kinder befragen, wie es ihnen damit geht, aber ich glaube, die beiden denken gar nicht darüber nach und machen einfach.

Aber vielleicht mal von Anfang an. WARUM flattere ich mit den Händen?

Es hilft mir, innere Spannung abzubauen. Wenn ich mich fühle wie eine geschüttelte Sprudelflasche, dann ist es das Ventil, dass den Druck ablässt. Es ist ein richtig gutes Gefühl und danach bin ich etwas entspannter.

Wann flattere ich überhaupt?

Wenn ich viel um die Ohren habe. Es muss auch nichts dramatisch schlimmes sein, heute war es zum Beispiel so, dass ich noch eine halbe Stunde hatte um Dinge zu erledigen, bevor ich zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein musste. Der Druck, fertig zu werden und pünktlich zu sein hat mich innerlich angespannt und ich habe geflattert.

Ich flattere selten „richtig“ in der Öffentlichkeit, da schüttele ich nur meine Arme aus oder kneife mir selber in die Hände. Das sieht bestimmt auch nicht immer sehr „normal“ aus, aber es ist besser als mein Gefuchtel.

Am liebsten flattere ich zu Hause wenn ich alleine bin oder die Kinder da sind- vor den Kindern ist mir das nicht peinlich, die wissen dass sie ne schräge Mutter haben 😉 Vor dem Gatten flattere ich etwas weniger exzessiv, keine Ahnung warum 😉

Aber eigentlich flattere ich ständig herum wenn keiner zuschaut.

Ich habe das Flattern eigentlich erst in den letzten Jahren „für mich entdeckt“, weil ich mir vorher durch den Drang, normal zu wirken, angewöhnt hatte, die Arme feste an mich zu pressen und an den Fingernägeln und der Nagelhaut zu knibbeln. Bloß nicht flattern und und seltsam dabei aussehen! Aber: Flattern ist DEUTLICH besser für meine Finger als Nagelhaut zerreißen;-)

Und wie kann man sich das jetzt vorstellen?

Ich beobachte mich ja im Moment selber. Meine Flatterei hat sich in den letzten Monaten, in denen ich sie mir explizit erlaubt habe, immer verändert.

Wenn ich mich gefreut habe, bin ich immer schon herumgehüpft und habe mit den Flügeln geschlagen, quasi. Genau das machen Kinder 1 und 2 auch. Aber für mich ist das irgendwie nicht ausreichend. Klar, bei Freude schon, aber für die normalen kleinen aufgeregten Situationen fühlte es sich nicht richtig an. Also habe ich unbewußt damit angefangen, mir eine herunterhängende Hand auszuschütteln, meist die linke, damit die rechte noch etwas tun kann. Das fühlte sich gut an. Den Stress, auch ganz kleinen, einfach abschütteln.

Mit der Zeit hat meine Hand sich dann ohne mein bewusstes Zutun immer weiter hochgehoben beim Schütteln, und ich habe die Hand leicht nach vorne gehalten beim Schütteln.

Irgendwann wollte die Hand dann den Daumen und den kleinen Finger ausstrecken und sich etwa auf der Höhe meines Ohres schütteln.

Ich schreibe „meine Hand wollte“, weil ich das tatsächlich nicht entschieden habe, es so zu machen. Einfach die Tatsache, dass ich mir jetzt erlaubt habe, mit den Händen „unnormale“ Sachen zu machen hat das Ganze verselbständigt.

Und es tut gut!

An einem normalen Tag kann ich den ganzen Reizen und dem Stress ja nicht entkommen. Ich muss zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten sein, und in der Zwischenzeit Dinge erledigen. Also so ganz normaler Alltagskram. Aber jetzt, wenn ich denke „Uuuuh, ich muss noch dieses und jenes machen bevor ich los muss!“, dann fange ich an herumzufuchteln, und es wird etwas erträglicher.

Es nimmt natürlich nicht alles weg, und es ist keine Zauberbewegung, die magisch alles gut macht.

Außerdem: So lange ich flattern kann damit es mir besser geht ist alles in Ordnung. Wenn ich nicht mehr flattern kann, dann ist das ein Zeichen dafür, dass der Shutdown näher rückt… und dann hilft eh nur noch Ruhe und Decke über den Kopf. Aber das ist eine andere Geschiche 😉

Wenn ich ein Vöglein wär‘

„Wann darf ich endlich anfangen, Mama?“

Nach einigem Hin und Her und verschollenen Emails und überhaupt großem Allesdoof habe ich tatsächlich beschlossen, auf mein Buchgefühl zu hören und Kind1 nicht ins ATZ umme Ecke zu schicken.

Nach einer kurzen Mail an das andere ATZ bekam ich wenige Minuten später die erste Antwort, und schon bald hatte ich einen Termin, damit man dort so viel wie Möglich über Kind1 erfährt, um ihm helfen zu können.

WOW! Im ersten ATZ hat mein Gesprächspartner nicht einmal nach Kind1 gefragt.

Der Termin war gestern morgen, und ich war ein klein bisschen Nervös (weil alles neu und wuaaah, ich bin noch nie da gewesen und kenne die Leute nicht!!!!!!!!). Dass  ich eine Kopie des Diagnoseschreibens von Kind1 mitbringen sollte,die ich aber erst mal nicht fand, machte es nicht besser…

Ich suchte im Ordner, in dem ALLES drin war, jedes Fitzelchen Kommunikation mit dem Kinderneurologischen Zentrum- nur die Diagnose war nicht drin. Gnarf. Nach einer halben Stunde war ich schon ziemlich panisch, aber es reifte ein Plan B in meinem Kopf heran. Das Schreiben mit der Diagnose war ja die Kopie dessen, was der Kinderarzt bekommen hat. Das müsste bei ihm ja in den Unterlagen sein. Dort könnte ich sicher eine Kopie bekommen.

Grade als  ich das beschlossen hatte fiel mir das gesuchte Schreiben in die Hände. Es war bei der Literatur zum Thema Autismus… klar. Wo auch sonst… o.O (Aber…WARUM????)

Gut, das Original hatte ich ja schon mal, ich sollte aber eine KOPIE mitbringen. Also die Nachbarin gefragt, die ich gerne mal für Notkopiersituationen missbrauche 😉 Aber ihrGerät war kaputt. Logisch.

Also überlegen wo ich kopieren kann. Es muss vor 9 geöffnet haben, denn um 9 war ja schon der Termin. Mir fiel ein Laden ein, zu dem ich hinfuhr- und der Kopierer war kaputt! Yeah!

Zum Glück konnte er schnell repariert werden, und ich bekam meine Kopien. Direkt mal in dreifacher Ausfertigung, damit ich beim nächsten Mal schon die Kopien habe ^^

Ich konnte dann gemütlich zum Termin fahren, und hatte noch Puffer, ein paar Minuten im Auto zu sitzen und etwas runterzukommen. Mental auf „NEU-NEU-NEU-NEU!!!“ vorzubereiten.

Drinnen war ich dann trotzdem ziemlich aufgeregt, was ich auch direkt sagte, weil es sonst eh aufgefallen wäre, ich zerreiße mir ja immer meine Hände… Aber „Ach, da gibt es doch keinen Grund zu! Wir tun hier keinem was!“ Sehr schön 😉

Es war dann auch wirklich, wirklich Klasse.  Ich sollte über Kind1 berichten, die ATZ-Leiterin stellte Fragen, wir erzählten uns gegenseitig etwas, es war richtig angenehm. Und schon nach ganz, ganz kurzer Zeit war ich Sicher die richtige Wahl getroffen zu haben.

Vermutlich wird Kind1 in etwa einem Monat schon mit der Therapie anfangen können, ich habe den Therapeuten schon kurz kennenlernen können. Oh, und ob Kind1 Angst vor Hunden hätte? Jaaaaaaa, sehr, antwortete ich, wir haben bisher nicht viele gute Erfahrungen mit Hunden machen können. „Sehr gut!“ sagte die Leiterin und rieb sich grinsend die Hände, „dann kommt das mit auf den Therapieplan!“ Es gibt nämlich 3 Therapiehunde dort, Kind1’s Therapeut hat einen davon. Der kam mich auch direkt mal besuchen (der Hund), kam ganz vorsichtig auf mich zu, schnupperte meine Hand, leckte einmal sanft daran, und zog sich leise zurück. Ich denke, Kind1 wird seine Freude mit dem süßen Hund haben.

Zu Hause berichtete ich am Nachmittag dem Kinde, was alles besprochen wurde. Meine Begeisterung merkte er mir sehr schnell an, und es färbte ab.

Dass das ATZ bei ihm jetzt schon ungesehen absolut gewonnen hat, hat aber auch noch einen anderen Grund… als ich nämlich die schlechte Grapho- und Feinmotorik während des Gespräches erwähnte sagte die ATZ-Leiterin SOFORT, dass ihm dann ein Laptop für die Schule zustehe…

Jetzt kann Kind1 es kaum noch erwarten, endlich zur Therapie gehen zu dürfen! ^^

Nagut. Nicht nur wegen des Laptops.

Wir haben uns heute Abend noch darüber unterhalten, was da so mit ihm passiert. Und was das Ziel der Therapie ist- nämlich dass er lernt, mit seinen Besonderheiten umzugehen, für sich gut zu sorgen, zu merken, wann er was braucht, es formulieren können. Und darauf freut er sich auch. Denn er will sich ja gerne helfen, aber es klappt nunmal nicht immer.

Aber bald, dann, hoffentlich.

„Wann darf ich endlich anfangen, Mama?“